Jul 012009
 

Freiburg, 01. Juli 2009

forun-1.jpg

Zum Einstieg gab es den Kurzfilm „Schieflage“ von Sylke Enders aus Deutschland 09 – denn das Thema dieser Tourstation war „Armut“. Und es sollte an diesem Tag zwar auch um die Armut in Entwicklungsländern gehen, aber im Mittelpunkt stand die Armut direkt vor der Haustür. Armut, die nicht immer wahrgenommen wird, die versteckt ist. Es geht um Kinder, die immer dann krank werden, wenn ein Tagesausflug in der Schule ansteht der selbst bezahlt werden muss oder um jemanden aus der Klasse, der jeden Morgen ohne Frühstück in die Schule kommt und mit leerem Magen lernen muss.

Den weltweiten Aspekt der Armut konnte ich durch die Milleniumentwicklungsziele in die Tourstation einbringen, bevor eine Referentin der Caritas in einem kurzen Vortrag den Fokus wieder zurück auf Deutschland richtete.

Anschließend wurde es dann wirklich konkret. Die 28 Schülerinnen und Schüler der Staudinger Gesamtschule, die auf Einladung der UN-Hochschulgruppe aus Freiburg an der Tourstation teilnahmen, teilten sich in zwei Gruppen auf.

Die eine Gruppe besuchte den Verein OFF (Obdach für Frauen). OFF hilft Frauen in Not mit Mikro-Krediten, Bürgschaften oder auf andere unbürokratische Weise. Der Workshop selbst fand in den Räumen der „Boutique le Sac“ statt. In diesem Second-Hand-Keller werden gespendete Kleidung, Möbel oder sonstige Gebrauchsgegenstände gegen Spende weitergegeben, die Höhe ist Ermessenssache; Frauen in

Not können hier also vergünstigt an (fast) all die Sachen herankommen, die sie brauchen. Außerdem dient die Boutique als Anlaufstelle für eine erste, unkomplizierte Kontaktaufnahme und auch als Arbeits- bzw. Ausbildungsstelle. So können die Frauen wieder erste Schritte in Richtung Integration in die Arbeitswelt machen.

Themen in der ersten Gruppe war entsprechend Obdachlosigkeit als Folge von Armut, dass Frauen häufig ihre Armut mehr verstecken als Männer, wie viele (Frauen) oft an der Grenze zur Armut leben müssen und „kleinste“ Katastrophen wie eine defekte Waschmaschine sie vor größte Probleme stellt. Moderiert wurde dieser Workshop von zwei absolut motivierten Damen, die sich ehrenamtlich engagieren: der Leiterin der „Boutique le Sac“ Elisabeth Armbruster und der Vorsitzenden von OFF e.V. Renate Lepach. Inspiriert davon ging es zum Abschluss auch um Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements und die an vielen Stellen noch unzureichende öffentliche und politische Anerkennung.

Die zweite Gruppe diskutierte mit dem „Runden Tisch Freiburg“ hauptsächlich über Armut als Folge von Arbeitslosigkeit und wie sich in Deutschland die Situation für Betroffene durch die Hartz IV Gesetzgebung verändert hat. Der Runde Tisch in Freiburg hilft beispielsweise Arbeitslosen bei Problemen mit Behörden oder unterstützt sie bei der Jobsuche und bei Bewerbungen. Wichtiger Diskussionsgegenstand war darüber hinaus, dass sich die Höhe der Transferleistungen nicht am Bedarf (über z.B. einen Warenkorb) orientiert sondern pauschal zugewiesen wird. Besonders bei den Leistungen für Kinder wird dies deutlich. Der Regelsatz für Kinder ist nur ein gekürztes Spiegelbild der Zuweisungen an Erwachsene. Das bedeutet, dass den speziellen Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen nicht Rechnung getragen wird.

Am Ende dieser zwei Beeindruckenden Workshops formulierten beide Gruppen ihre Forderungen und stellen diese so wie die gemachten Erlebnisse der anderen Gruppe vor.

Forderungen der ersten Gruppe (OFF und Boutique le Sac):
forun3.jpg

Forderungen der zweiten Gruppe (Runder Tisch Freiburg):
forun2.jpg

So blieb am Ende vor allem die Erkenntnis, wie viele Facetten Armut haben kann, wie wichtig ehrenamtliches Engagement im Kampf gegen die Armut ist, was es bedeutet staatliche Rahmenbedingungen zu verändern und dass Armut auch bei uns vor der Haustür zu finden ist.