Dez 112014
 

Nach ihrem knapp ein-monatigen Aufenthalt bei der 69. UN-Generalversammlung folgt nun der Bericht der beiden UN-Jugenddelegierten zu ihrem Wirken vor Ort. 

(Insgesamt haben dieses Jahr ca. 26 Staaten Jugenddelegierte zur UN Generalversammlung entsandt: Australia, Austria, Belgium, Bulgaria, Brazil, Dominican Republic, Finland, Georgia, Honduras, Indonesia, Israel,  Kenya, Republic of Korea, Malta, Netherlands, Norway, Poland, Romania, Slovenia, Sweden, Switzerland, Sri Lanka, Suriname, Thailand, Ukraine, United States of America)

 

Rede

Unsere Rede haben wir bereits am 8.10.14, unserem zweiten Tag bei den Vereinten Nationen, vor dem 3. Ausschuss gehalten. Die ersten Entwürfe schienen der Ständigen Vertretung in Teilen zu kontrovers und anklagend, sodass wir nach mehrmaliger Absprache ein für alle akzeptables Statement präsentieren konnten: kritisch, eloquent und diplomatisch.

 

Inhalt                                                                                                                                   

Besonders wichtig war uns in unserer Rede der ganzheitliche Ansatz an politische Themen:

Wir wollten die Stigmatisierung von Gruppen als VorstufFotoe zu Diskriminierung kritisieren. Wir wollten in unserer Rede primär als gleichberechtigte Bürger wahrgenommen werden anstatt als “Quotenjugendliche” und somit der Reduzierung auf die politische Identität des/der Jugendlichen entgegnen.

When talking about the rights of youth we are also and always talking about the rights of women and men, about the rights of migrants, and we are also talking about the right to sexual orientation and gender identity. When talking about youth – as well as about any other social group – we are talking about human beings that are more than just vulnerable or marginalized, more than just young or old.

Da während unserer Deutschlandtour unter anderem auch viele Forderungen zur Integration und Repräsentation von Flüchtlingen kam, haben wir in unserer Rede nicht nur die Partizipation von Jugendlichen als zwingend notwendig herausgehoben, sondern die Notwendigkeit alle einzubinden. Dabei sind wir auch kurz auf non-formale Bildung als Mittel zur Erziehung mündiger, global-denkender Bürger*innen eingegangen.

Democracy means by definition the representation of all people and nothing less. Many examples – historical and current – prove: the exclusion of some is a threat to all.”

Im letzten Abschnitt unserer Rede sind wir auf die aktuelle Debatte um die Internetüberwachung eingegangen – ein häufig gennanter Punkt auf unserer Tour und im Einklang mit der Politik der Ständigen Vertretung, die bei der diesjährigen Generalversammlung zusammen mit Brasilien eine Privacy-Resolution initiierte.

We assert that arbitrary surveillance and the collection of big data is in itself a human rights violation, as also the High Commissioner for Human Rights has confirmed in the report to this General Assembly and as also Benjamin Franklin already knew: “Who gives up his freedom in order to store security, will finally loose both.”

Mit unserer Rede stießen wir auf viel positives Feedback unter den Jugenddelegierten, sowie den Diplomat*innen weiterer Ständigen Vertretungen.

 

2. Side-Event
Flyer Side Event jpeg

Unser Side-Event fand in der dritten Verhandlungswoche, am 21.10.14, in der Ständigen Vertretung in Kooperation mit der Österreichischen Ständigen Vertretung sowie mit der Unterstützung der Jugenddelegierten aus Bulgarien, den Niederlanden, Belgien sowie Georgien und Österreich statt und trug den Titel:
Human Rights. Universal. Interdependent. Inclusive – thinking about the next steps in framing and guaranteeing human rights.”


Wie bereits in unserer Rede angesprochen wollten wir auch durch unser Side-Event eine Diskussion über das policy-making der Vereinten Nationen im Bereich Menschenrechte anstoßen und kritisch den schmalen Grat zwischen der Förderung von Rechten sozialer Gruppen und deren Stigmatisierung beleuchten. In der Beschreibung unseres Side-Events, die wir den verschiedenen Panelist*innen zukommen ließen, stellten wir folgende Leitfragen:

 

What are the challenges specific groups of right-holders are confronted with?

How can we maximize the impact by joining forces?

How can we promote indivisible, interdependent and universal human rights while
also focusing on specific vulnerable groups?

How to promote gender equality without pointing at men, women and their differences
within a binary gender logic?

How to guarantee equal access without promoting disability?

How to fight racism without perpetuating the idea of distinct, somewhat natural races?


Um einen möglichst weiten Blick auf die Thematik zu erhalten haben wir versucht ein breit aufgestelltes Panel zu werben: Durch die Anwesenheit eines Psychologen wollten wir beispielsweise einen Einblick in die Formation sozialer Gruppen und deren Stigmatisierung erhalten. Mit einem Vertreter von OHCHR hatten wir dann einen Experten in Sachen Human Rights Policy der Vereinten Nationen, wohingegen eine Human Rights Educator aus ihrer praktischen Erfahrung aus New Yorker Schulen berichten konnte. Im folgenden eine Auflistung der Panelist*innen:


Maya Saoud (Human Rights Educator)

Omair Paul (Human Rights Activist)

Dominic Packer (Associate Professor for Psychology, Lehigh University)

Leonardo Castilho ( Human Rights Officer, OHCHR)

Daniel Seymour (Director of Programme, UN Women)

Moderator: Noella Richards (Youth Advisor, UNDP)


Ablauf des Side Events

Nachdem Janina Hasse- Mohsine, zuständige Diplomatin für den dritten Ausschuss, die ca. 60 Gäste in der Ständigen Vertretung begrüßte, führte eine palästinensische Poetry Slammerin der Künstlergruppe “I sell the Shadow” eines ihrer Gedichte vor, bevor wir zusammen mit der österreischischen Jugenddelegierten Lydia Walter uns sowie die Intention des Side-Events vorstellten.

Side eventEs entwickelte sich eine spannende Diskussion darüber wie wir der fortschreitenden Fragmentierung der Menschenrechte begegnen können ohne die speziellen Bedürfnisse verschiedener Gruppen zu ignorieren. Dan Seymour betonte dabei, dass man neben der Universalität der Rechte aller Menschen immer auch die Universalität der Verantwortung aller Menschen im Kopf behalten müsse. Maya Saoud berichtete aus ihrer Erfahrung in den Schulen von einer Themenwoche, die der Geschichte der amerikanischen Urvölker gewidmet ist und laut Saoud erst eine Atmospähre des “Andersseins” schaffe : “Wir behandeln das ganze Jahr über die richtige, normale Geschichte und diese Woche schauen wir uns dann mal die Geschichte der amerikanischen Urvölker an.” Omair Paul sprach spezifisch über die Stigmatisierung homosexueller Menschen und sagte, dass sexuelle Diversität alle angehe – auch den weißen, heterosexuellen Mann.

Feedback zum Side Event

Das Feedback, das wir für das Side-Event erhielten war durchweg positiv. Auch Janina, die zunächst skeptisch dem Konzept gegenüber stand, da es zu “abstrakt und philosopisch” sei, zeigte sich sehr zufrieden über das Outcome. Hanna Birkenkötter von der DGVN, die zufälligerweise zu dem Zeitpunkt in New York war, und unser Sideevent besuchte fand, dass solche notwendigen Diskussionen viel zu selten in der UN geführt werden. Wir denken und hoffen ein wenig dafür sensibilisiert zu haben, dass das Promoten von Rechten auch sehr leicht zur Stigmatisierung von Menschen führen kann und Vulnerabilität manifestiert.

 

3. Verhandlungen

Bullying Resolution: Wir haben vor allem auch an der Resolution zu Bullying mitgewirkt. Hier wurden alle Anti-Diskriminierungsdiskurse geführt sowie über die Relevanz der Integration von Jugendlichen diskurtiert. Eingesetzt haben wir uns an dieser Stelle für die Paragraphen mit Verweisen zu Jugendlichen und Jugendorganisationen. Ebenso haben wir uns für eine Auflistung von Beispielen vulnerablen Gruppen eingesetzt, da eine Nicht-Auflistung im Sinne einer Nicht-Erwähnung zu keiner Veränderung führen würde.

Privacy Resolution: Auch auf mehrmaliges Anfragen hin, haben wir leider bis zum letzten Tag unseres Aufenthaltes in New York keinen Einblick in den von der Ständigen Vertretung entworfenen Zero-Draft erhalten.

Elderly Resolution: Hier haben wir folgenden Vorschlag formuliert und sowohl an die Deutsche Ständige Vertretung wie auch an die Rumänische Vertretung, die diese Resolution für die EU verhandelt, gesendet.

 

“ Bearing in mind that age-based discrimination is a cross-cutting and
   intergenerational issue that can only be adressed holistically
   with the mutual and full engagement of all generations, especially
   with younger persons, in order to achieve intergenerational justice
   and non-discrimination.“

 

Es ist noch unklar, ob der Vorschlag es in die Präambel der Resolution schaffen wird.
Die Verhandlungen werden noch bis Dezember andauern.

Während unserer Zeit in der UN standen wir Rücksprache mit dem DNK-Vorstand. Dieser Austausch war sehr hilfreich, sowohl für die Rede als auch für die Verhandlungen. Für die kommenden Verhandlungen wäre ein intensiverer Austausch während der Verhandlungen denkbar.

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