Sep 162012
 

Es ist soweit. Heute, am 16. September 2012 haben wir bereits drei Viertel des Jugenddelegiertenprogramms hinter uns und sind nach ca. 50 Tourstationen und insgesamt mehr als 20.000 km Bahnreise am Ende unserer Deutschland-Tour angekommen – aber noch lange nicht am Ende des Programms und unseres Engagements. Im letzten halben Jahr haben wir mit Jugendlichen aus 14 Bundesländern mit unterschiedlichster Herkunft gesprochen – mit Schüler*innen, Studierenden, Pfadfinder*innen und anderen interessierten, engagierten und motivierten Jugendlichen aus dem ganzen Land!

Die Forderungen, die sie uns mitgegeben haben umfassen eine riesige und sehr spannende Bandbreite an Themen, welche gleichzeitig auch die Vielzahl an unterschiedlichen Jugendlichen in Deutschland widerspiegeln. Es gibt jedoch auch Forderungen, die wir immer wieder gehört haben, egal, wo in Deutschland wir waren und mit wem wir gesprochen haben. Das sind neben der über fast allen Tourstationen schwebenden Forderung nach mehr und vor allem ernsthafterer Beteiligung der Jugend in Deutschland diejenigen Forderungen, die man alle unter dem allseits beliebten Begriff „Nachhaltigkeit“ zusammenfassen kann, welcher bei den Vereinten Nationen in den ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Aspekt unterteilt wird.

Ein Bespiel für soziale Nachhaltigkeit das Jugendliche auf unserer Deutschlandtour angesprochen haben ist Gleichberechtigung und der Grund für das Sternchen(*), das wir ich beim Schreiben dieses Artikels verwende. Staaten, in denen Menschen gleichberechtigt leben, haben eine tolerantere Gesellschaft, stabilere Demokratien, eine stabilere Wirtschaft und letztlich als Folge all dessen einen besseren Lebensstandard. Gleichberechtigung bezieht sich in diesem Fall nicht nur auf die Gleichstellung von Mann und Frau, sondern auch auf Menschen, die sich jenseits dieser beiden Geschlechtskategorien verorten. Im Englischen wird diese Abkehr von der Zweigeschlechterordnung deutlicher, denn engl.: sex beschreibt hier das biologische Geschlecht eines Menschens, während engl.: gender das gesellschaftliche (soziale, psychologische) Geschlecht meint.

Obwohl wir mit den Jugendlichen vor allem über UN-Themen geredet haben mussten wir lernen, dass man in Deutschland trotz anzunehmender Fortschrittlichkeit immer noch meilenweit von einer tatsächlichen Gleichstellung entfernt ist. Der „Equal-Pay-Day“ (nächstes Jahr am 25.03.2013) ist ein Tag, der z.B. auf Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen aufmerksam macht. Er markiert den Tag, bis zu dem Frauen pro Jahr bei gleicher Qualifikation länger arbeiten müssen als Männer, obwohl sie gleich Qualifiziert sind. Manche*r Bi-, Homo- und Transsexuelle*r fürchten auch noch heute die Reaktionen ihrer Freunde und Familie bei ihrem coming-out und „Schwul“ gilt vielerorts als Schimpfwort. Die Schreibweise mit Sternchen (*), auch Gender-Gap genannt, ist unsere Reaktion auf die Gleichstellungsforderungen der Jugendlichen in Deutschland, denn sie nimmt Rücksicht auf jede Frau, jeden Mann und alle, die sich nicht in einer dieser beiden Kategorien wiederfinden. Auch hatten wir viele Tourstationen, die sich mit Themen wie „Diskriminierung“, „Rassismus“, Kindersoldaten und Kinderrechten oder Armutsbekämpfung beschäftigt haben. Auch diese Themen sind alle Teil der sozialen Nachhaltigkeit.

Ein weiteres Bespiel räumt vor allem mit einem alten Sprichwort auf: „Was kümmert mich, wenn in China ein Sack Reis umfällt?“. Die Jugend weiß schon seit einiger Zeit, dass dieses Sprichwort nichts mehr zählt. Als Folge des immer größer werdenden technischen Fortschritts (Telefon, Computer, Internet) und des immer günstiger werdenden Transports, befinden wir uns mitten in einem Globalisierungsprozess. Die Jugend weiß, dass dadurch ihr Handeln an einem anderem Ort auf dem Globus direkte Konsequenzen zur Folge hat. Deshalb gab es bei vielen Treffen, zu denen wir eingeladen waren bio, fair trade oder regionale Produkte. Den Jugendlichen sind die Probleme in anderen Teilen der Welt bewusst und viele wollen so gut es geht die Konsequenzen für ihr Handeln tragen. Sie versuchen mit ihrem Konsumverhalten zu helfen und somit im Kleinen an einer gerechteren, faireren Gesellschaft zu arbeiten.

Viele Forderungen der Jugendlichen bezogen sich bisher auf die Bereiche soziale Nachhaltigkeit und nachhaltige Umwelt. Die meisten Forderungen hatten eine echte und umfangreiche Partizipation von Jugendlichen an gesellschaftlichen und politischen Prozessen zum Thema. Bei fast sämtlichen Tourstationen sagten uns Jugendliche, dass ihnen in vielen Bereichen ihres Lebens ältere Menschen nicht auf Augenhöhe begegnen. Für echte und umfangreiche Mitgestaltungsmöglichkeiten fehlt vielen Politiker*innen nicht nur der Mut, sondern auch die fachliche Expertise. Dabei haben Jugendliche auf unserer Deutschlandtour bewiesen, dass sie mit der wachsenden Verantwortung nicht leichtfertig umgehen würden. Zwar sprachen sich fast alle Jugendliche für eine Herabsenkung des Wahlalters auf 16 Jahre aus, allerdings machten viele zusätzlich eine umfassende, kontinuierliche politische (non-)formale Bildung zur Bedingung. Die Jugend hat Lust auf Demokratie und möchte die Gesellschaft in ihrem unmittelbaren Umfeld mitgestalten! Damit diese Lust und dieser Wille nicht in Frust umschlägt ist es wichtig, dass der Jugend schnellstmöglich echte Partizipationsmöglichkeiten eingeräumt wird und das Politiker*innen aufhören, Jugendliche zum Schein an politischen Prozessen zu beteiligen.

Nun, nach unserer allerletzten Tourstation steht uns die große Aufgabe bevor, unsere Rede für die UN-Generalversammlung zu schreiben. In dieser Rede wollen wir möglichst alle Wünsche und Forderungen der in Deutschland lebenden Jugend unterbringen – was in sieben Minuten Redezeit sicherlich nicht einfach wird. Am 03.Oktober geht es dann endlich für uns los und von Berlin über London zu unserem Hauptziel: New York! Bis zum 27.Oktober werden wir vor Ort sein und versuchen, die Forderungen der Jugendlichen in unserer Arbeit bei der UN-Generalversammlung einfließen zu lassen.

Das nächste Mal schreiben wir dann also aus New York und werden direkt von der Arbeit vor Ort berichten. Bis dahin lohnt es sich für alle Jugendlichen zwischen 18 und 25 Jahren auf unsere Homepage zu stöbern, denn die Bewerbungsphase als UN-Jugenddelegierte*r 2013 ist im vollen Gange! Hast du Interesse UN-Jugenddelegierte*r 2013 zu werden? Dann bewirb dich bis zum 6.November 2013! Wir freuen uns auf DICH!

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