Jun 052009
 

Mein Besuch bei der Katholischen Jungen Gemeinde
von Emily

Odenthal-Altenberg, 5. Juni 2009
Als eine Person, die in ihrer Kindheit und Jugend kaum Kontakt zu irgendwelchen Religionsgruppen hatte, wusste ich überhaupt nicht was mich bei der Katholischen Jungen Gemeinde erwarten würde. Im Rahmen des Studienteils des Bundeskongresses zu den Millennium-Entwicklungszielen sollte ich am Donnerstagabend einen kurzen Workshop zum Thema „Gender“ machen. Nach einer unbeschwerlichen Reise kam ich an der wunderschön gelegenen Jugendbildungsstätte Altenberg direkt am Dom an.

Eine bunte Gruppe von ca. 120 Leuten saß an großen Tischen, auf denen die Papierberge überquollen und es sah nach intensiver Arbeit aus.

Renée Ernst von der Milleniumskampagne macht den Einstieg in den Studienteil mit einem Vortrag zu den Millenium-Entwicklungszielen. Danach ging es in die Workshops und ich merkte schnell, dass die KJG ein sehr progressiver Verband ist mit einer Gender-Referentin auf Bundesebene, paritätisch besetzten Ämtern auf fast allen Ebenen, Frauen- und Männerkonferenzen, sowie einem Beschluss zu geschlechtersensible Kommunikation. Da brauchte ich hinsichtlich der Bedeutung von Geschlechtergleichstellung niemanden mehr überzeugen.

In der Diskussion darüber was sich in Deutschland in dem Bereich noch ändern muss wurde festgestellt, dass die geschlechtspezifischen Stereotypen in Deutschland doch noch sehr vorherrschen und es wurde gefordert, dass die klassische Rollenzuschreibung endlich ein Ende haben muss. Ein Beispiel: bloß weil es einen männlichen Erzieher gibt, muss dieser nicht unbedingt Fußballliebhaber sein und ihm sollte deshalb nicht automatisch aufgrund seines Geschlechts die Fußballgruppe zugeordnet werden. Gleichzeitig wurde gefordert, dass es mehr Männer als Erzieher und Lehrer in Kitas und Grundschulen geben muss, damit die Jungs in unserem Bildungssystem nicht weiter ins Hintertreffen geraten. Auch sollte noch mehr für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gerade bei den Männern, getan werden. Das Verdienstgefälle zwischen Männern und Frauen muss endlich abgeschafft werden und in der Entwicklungszusammenarbeit sollte die Mittelvergabe – zumindest teilweise – explizit an Frauenförderung geknüpft werden.
Abschließend wurde noch einmal aufgegriffen, dass Jugendverbänden in diesem Thema eine Vorreiterrolle und eine Vorbildfunktion zukommt, die jede und jeder wahrnehmen sollte um im Alltag das eigene Umfeld für die Thematik zu sensibilisieren.

Auf der Suche nach meinem Zimmer im Anschluss an den produktiven Workshop stellte ich fest, dass es im gesamten Tagungshaus nach viel kreativer Arbeit aussah, überall waren Ergebnisse von Arbeitsgruppen zu den verschiedensten Themen auf bunten Plakaten ausgestellt oder es waren noch Projekte in Arbeit.

Nach einem sehr unterhaltsamen Abend mit vielen spannenden Gesprächen, zum Beispiel über die Rolle, die Religion in unserer Gesellschaft eigentlich noch einnimmt, kann ich sagen, dass mein Aufenthalt bei der Katholischen Jungen Gemeinde eine aufschlussreiche Erfahrung war. Ich habe mal wieder viel über eine weitere Gruppe in dem weiten Spektrum der Jugendarbeit in Deutschland kennen gelernt und einiges, was ich unterschwellig an Vorurteilen gegenüber katholischen Verbänden hatte, wurde definitiv widerlegt, worüber ich sehr froh bin.