Sep 282006
 

Endlich ist es soweit – nach einem halben Jahr Deutschlandtour, unzähligen Stunden Einarbeitung in UN-Dokumente, Positionspapiere deutscher Jugendverbände und Berichte zu aktuellen Themen der UNO-Agenda und einem ewig langen Flug sind wir in New York angekommen.

Und unser dreiwöchiger Aufenthalt begann auch gleich mit einem richtigen Hammer …

Wir werden eine Rede halten!

Diese freudige Nachricht verkündete uns Frau Dr. Kreibich heute Nachmittag bei unserem ersten Besuch in der Ständigen Vertretung. Die Ständige Vertretung könnte man als die Botschaft der Bundesrepublik bei den Vereinten Nationen bezeichnen. Frau Dr. Kreibich ist dort zuständig für den dritten Ausschuss der Generalversammlung, in dem soziale, humanitäre und Menschenrechtsfragen behandelt und wir die nächsten drei Wochen aktiv sein werden.

Nach langem Hin und Her hat sich unsere unablässige Überzeugungsarbeit bei der Ständigen Vertretung für eine Rede also ausgezahlt. Dass Jugenddelegierte eine Rede halten, hat eine besondere Bedeutung. Durch die Rede werden die Perspektiven junger Menschen allen 192 Mitgliedstaaten näher dargestellt. Darüber hinaus treten Jugenddelegierte so für viele Diplomaten auf einmal sichtbar aktiv in Erscheinung. Das erleichtert später den Einstieg ins Gespräch, um bei den ca. 160 Staaten, die noch keine Jugenddelegierten senden, für solche zu werben.

Normalerweise spricht für die EU-Mitgliedsländer meist nur das Land, das die EU-Ratspräsidentschaft inne hat. Das ist zur Zeit Finnland. Für Jugenddelegierte wird allerdings eine Ausnahme gemacht um ihre Teilnahme an der Generalversammlung zu verdeutlichen. Es ist üblich, dass die Jugenddelegierten die Statements so verfassen, dass sie keine Position der Regierung darstellen, sondern den Bezug der Jugend zum jeweiligen Thema betonen.

Thema unserer Rede
Wir werden nun, wie viele andere Jugenddelegierten zu dem Agendapunkt „Soziale Entwicklung“ sprechen. Zuvor wird ein/e Diplomat/in darauf hinweisen, dass wir nicht im Namen der Bundesregierung sprechen und dann das Wort an uns übergeben. Insgesamt haben wir sieben Minuten Redezeit, abzüglich der Einleitung also gut sechs Minuten, die wir ausfüllen können.

Dabei werden wir insbesondere auf den Zusammenhang zwischen Armut, Bildung und Entwicklung eingehen, der sowohl in Entwicklungsländern als auch in den Industriestaaten eine große Rolle spielt. Da es bisher unklar war, ob wir überhaupt eine Rede halten dürfen und wir genug andere Vorbereitungen zu treffen hatten, haben wir keine Rede „im Voraus“ geschrieben. Jetzt werden wir uns also hinsetzen und eine Rede verfassen, welche die Ansichten und Anliegen deutscher Jugendlicher, wie wir sie aus unserer Vorbereitung mitgenommen haben, zum Ausdruck bringt.

Zum ersten mal im UNO-Gebäude
Unser Weg morgen früh wird uns zum ersten Mal ins UNO-Gebäude führen um dort unsere Ausweise abzuholen. Bei den Ausweisen (auf Englisch „badges“ genannt) kommt es auf die Farbe an: Es gibt gelbe, rote, braune, weiße … Die gelben beispielsweise sind für Angestellte der UNO, braune sind für Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs). Rote sind für Regierungsdelegationen. Genau so einen werden wir erhalten und können uns damit frei im ganzen Gebäude der UNO bewegen und an Sitzungen und informellen Gesprächsrunden teilnehmen.

Am Nachmittag haben wir unser erstes Treffen mit der Jugendabteilung der Vereinten Nationen. Wir freuen uns darauf, dabei auch einige der europäischen Jugenddelegierten wieder zu sehen, mit denen wir schon im August in Oslo gemeinsame Ziele für unseren Aufenthalt in New York abgesteckt haben.

Dazu gehören ein Sideevent, ein Newsletter und ein Inputpaper. Was dahinter steckt und was sonst noch passiert sein wird, erzählen wir euch am Wochenende.