Aug 052013
 

pfadis 206.08.2013 – Pfadfinden heißt die Welt entdecken, Abenteuer bestehen, aber auch Verantwortung für sich und andere übernehmen – Pfadfinden ist für viele junge Menschen prägend für ihre Persönlichkeitsentwicklung. Die Rover, so nennen sich Pfadfinder im Alter zwischen 16 und 20 Jahren, von der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) sind lebende Beispiele für diese vorbildliche Art der Freizeitgestaltung. Die DPSG wurde bereits 1929 gegründet, hat aber über die Jahre nicht an Reiz für jungen Menschen verloren – mit insgesamt rund 95.000 Mitgliedern ist die DPSG die größte Pfadfinderschaft Deutschlands.

Tatsächlich kribbeln allen Reiselustigen die Füße vor Neid, wenn man hört, was die Rover dieses Jahr im Rahmen von rover.de unternahmen: In Kleingruppen sind sie mehrere Tage mit Zelt und Schlafsack durch die Bundesrepublik gereist, ohne zu wissen, wo sie abends übernachten werden, haben über ihre Smartphones Aufgaben, sogenannte Challenges, bekommen und so quasi eine landesweite Schnitzeljagd unternommen. Neben dem Abenteuerkick hatte ihre Reise aber auch ein wichtiges, gesellschaftliches Element: Auf ihrer Fahrt haben die Pfadfinder*innen Einrichtungen wie ein Jugendzentrum für transsexuelle Jugendliche, Tagesbetreuung für sozial-benachteiligte Jugendliche, aber auch Europas größte Schwulensauna besucht. In gewisser Weise war es wie die Deutschlandtour von uns Jugenddelegierten, in klein.

Am Ende ihrer Tour haben sich alle Stämme in Nürnberg zu einem Abschlusswochenende getroffen. Über 1000 Jugendliche sind so sternförmig aus allen Himmelsrichtungen zu einem Zeltlager auf das ehemalige NSDAP Reichsparteitagsgelände zusammengekommen. Die Message war wichtig: Pfadfinder*innen sind Teil einer Friedensbewegung, die für Gerechtigkeit und Solidarität steht – ein wichtiges Zeichen an einem historisch so vorbelasteten Ort.

Wir hatten die Möglichkeit uns mehrere Stunden mit einer Gruppe von Pfadfindern auszutauschen, ihre bisherigen Abenteuer und ihre Lebenswelt besser kennenzulernen und eine tiefgehende politische Diskussion über Jugendpartizipation anzustoßen.

Dabei sind folgende Forderungen entstanden:

  • Das Wahlalter soll auf 16 Jahre abgesenkt werden, ab 14 Jahren soll man nach vorheriger Registrierung wählen können.
  • Politische Bildung soll in der Schule intensiviert werden, beispielsweise durch die Aufwertung bzw. Einführung des Schulfachs Sozialkunde/ Politik/ kritisches Denken.
  • Politisches und gesellschaftliches Engagement bei Jugendlichen soll finanziell stärker gefördert und anerkannt werden.
  • Politische Bildungsarbeit soll in den Medien gestärkt werden.

Es hat uns besonders gefreut, dass pfadisdie kontroverse Diskussion selbst nach Ende des Workshops fortgesetzt wurde. Insgesamt haben wir uns von dem ausgeprägten Gemeinschaftsgefühl, dem Abenteuerdrang und der Reiselust anstecken lassen und wären wohl selbst am liebsten auch in eine Kluft geschlüpft, hätten eine schwarze Kohte eingepackt, den Rucksack aufgesetzt und wären am liebsten gemeinsam mit Gleichgesinnten raus in die weite Welt gewandert…

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