Sep 092013
 

Rotes Sofa09.09.2013 – Sie kommen regelmäßig in ihr Jugendzentrum Roderbruch, einem Stadtteil in dem viele junge Menschen mit Migrationshintergrund leben. 10 Teilnehmer*innen im Alter von etwa 15 bis 23 Jahren waren zu Beginn alle ein wenig verwundert. Schließlich hatten sie vom Jugenddelegierten-Programm vorher noch nie etwas gehört. Auch das „Rote Sofa“, eine Aktion des Stadtjugendrings Hannover, war vielen neu. Es geht dabei darum Sozialräume aufzusuchen, wo Kinder und Jugendliche sich aufhalten und auf dem Roten Sofa mit Politiker*innen sprechen und ihre Anliegen äußern können.

Nach einer kurzen Erklärung hat sich aber die anfängliche Schüchternheit gelegt und die Diskussion konnte beginnen. In der Vorstellungsrunde haben viele ihren Migrationshintergrund genannt, was jedoch bei einigen Teilnehmenden Verärgerung ausgelöst hat. „Ich lebe fast mein ganzes Leben in Deutschland und möchte nicht ständig auf meinen ‚Migrationshintergrund‘ angesprochen werden“. Klar – kann man nachvollziehen. Wir haben in lockerer Runde diskutiert, was es heißt einen sogenannten „Migrationshintergrund“ zu haben und welche politischen Probleme, Herausforderungen und vor allem Potenziale sich daraus ergeben. Ein großes Problem sahen die teilnehmenden Jugendlichen im Alltagsrassismus.

Anschließend gab es eine lange und ausführliche Diskussion zum Thema „Wahlen und Beteiligung“. Für die jungen Menschen istIMG_0215 die Wirkung der Politik oft schwer zu erkennen, was dann zu Frust bzw. Gleichgültigkeit führen kann. Dennoch waren von den anwesenden Hauptamtlichen viele sehr positiv überrascht, wie viele von den Jugendlichen doch tatsächlich dieses Jahr zur Bundestagswahl gehen und ihre Stimme abgeben wollen.  Ein Teilnehmer, der, obwohl er über 20 Jahre schon in Deutschland lebt, nicht wählen gehen kann, wurde ein wenig unhöflich zu seinem Kumpel, der wählen gehen darf aber es bis dato nicht vorhatte: „Du gibst deine Stimme ab, du Depp“.

Weitere Forderungen der Diskussion sind folgende:

  • Diskriminierung gegen Menschen mit Migrationshintergrund muss im Alltag (z.B. beim Diskobesuch) sowie auf dem Arbeitsmarkt (z.B. bei der Jobsuche) aufhören.
  • Stadtteile sollen von ihren Einwohner*innen besser durchmischt werden, um eine bessere Integration zu gewährleisten und Vorurteile abbauen zu können.
  • Flüchtlingen soll es möglich sein, arbeiten zu gehen. Damit kann eine Kriminalität verringert werden.
  • Die Polizei sollte hilfsbereiter sein und weniger Gewalt anwenden.
  • Bürger*innen sollen stärker miteinbezogen werden, wenn es um kommunale Ausgaben angeht. Des Weiteren sollen Bauprojekte nach ihrer Auswirkung und Sinnhaftigkeit für junge Menschen hinterfragt werden (muss noch eine Spielothek oder ein weiteres Einkaufszentrum entstehen?)
  • Jede*r sollte bei Vollzeit so viel verdienen, dass man davon leben kann.
  • Mehr finanzielle Unterstützung für Jugendverbände und die Jugendarbeit, beispielsweise für Austauschprogramme oder Sommerfreizeiten.

Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, auf dem Roten Sofa im Jugendzentrum in Roderbruch mit so vielen jungen motivierten und interessierten Menschen zusammenzukommen. Dafür herzlichen Dank für die Einladung und vielleicht bis bald mal. Und denkt dran: Gebt wann immer ihr könnt eure Stimme ab =)

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