Mai 232014
 

23.05.2014 – Die Erwartungen an die Weltkonferenz über Jugend, die vom 06. bis zum 10. Mai in Sri Lanka statt fand,waren hoch: Das Thema‚ Mainstreaming  YouthDSCN6697 Participation in the Post 2015 Development Agenda‘ ist topaktuell, der Zeitpunkt der Konferenz strategisch klug gewählt um die Post-2015 Entwicklungsagenda zu beeinflussen und die geographische Bandbreite  der eingeladenen Teilnehmer*innen schaffte die nötige regionale Repräsentanz. Zwei UN-Resolutionen haben die Konferenz im Vorfeld begrüßt (A/RES/66/121 und A/RES/68/130) und der Präsident der UN-Generalversammlung,  John William Ashe, gemeinsam mit dem UN Gesandten für die Jugend, Ahmad Alhendawi, sicherten zu die Ergebnisse der Konferenz zurück ins UN-System zu spiegeln.

Das Format der Konferenz war innovativ: Das Abschlussdokument (Colombo Declaration on Youth) wurde von den anwesenden Mitgliedsstaaten ausgehandelt, gemeinsam mit zwei Jugendvertreter*innen, denen in den Verhandlungen der gleiche Status wie einem Staat zukam. In internationalen Verhandlungen, die auf Staaten als Verhandlungsführer bauen, ist der Einbezug on Jugendvertretern ein erster Schritt – obgleich die Verhandlungsposition der Jugendvertreter viel zu schwach war im Anbetracht der Tatsache, dass die Hälfte der Weltbevölkerung unter 25 Jahre alt ist. Dennoch ist es eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Jugend und eine kleine Revolution auf internationaler Ebene.

In Anbetracht der VerhandlunSide Event zum UN- Jugenddelegiertenprogrammgssituation kommt die berechtigte Frage auf, ob die Konferenz eine Konferenz über Jugend („on youth“) oder von und mit Jugend war. Das Abschlussdokument ähnelt stark einer Resolution aus dem 3. Ausschuss der UN Generalversammlung; progressivere Ideen, wie der Zugang zu Sexueller und Reproduktiver Gesundheit und Rechten oder die Nichtdiskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexueller Orientierung, wurden von einigen Staaten vehement geblockt. Das Jugendpolitik scheinbar eher nicht oberste Priorität für viele Staaten einnimmt, verdeutlichte die geringe Teilnahme von Regierungen – ungefähr 30 Staaten waren anwesend, größtenteils keine politischen Schwergewichte.

Parallel zu den Regierungsverhandlungen, entwickelten die rund eintausend jungen Teilnehmer*innen, die aus über hundert Ländern eingeflogen wurden, ihre Vision fuer die Post-2015 Entwicklungsagenda. Auch wenn ihr Einfluss auf das Abschlussdokument  gering war, so trägt der Anhang des Abschlussdokuments (Anhang zur Colombo Declaration on Youth) tatsächlich die Handschrift der jungen Teilnehmer*innen – in diesem Dokument wurden die Diskussionen und Forderungen aus den Workshops zu 14 verschiedenen Themen, von Geschlechtergleichstellung über Beschäftigung bis hin zu inklusiver Jugendbeteiligung, zusammengefasst. Und es ist dieses Dokument, auf welches zum ersten Mal im Regierungsabschlussdokument verwiesen und es somit zu dessen Annex wurde.

Bei aller berechtigter Kritik an der Struktur der Konferenz, bot sie zweifelsohne eine wichtige Plattform für den politischen Austausch zwischen Jugendlichen und Expert*innen, zum Netzwerken und zum Sensibiliseren für entwicklungspolitische Themen.

WeltjugendkonferenzEin seltsamer Beigeschmack bleibt dennoch: Während kein Geld und keine Mühe gespart wurden eine eindrucksvolle Gala zu Ehren des Präsidenten auf die Beine zu stellen, wurde man das Gefühl nicht los die politische Auseinandersetzung sei zweitrangig für das Gastgeberland. Sri Lanka ist ohne Frage ein Gastgeber mit eigenen Interessen. Bis vor kurzem steckte das Land noch in einem blutigen Bürgerkrieg, Menschenrechtsverletzungen wurden bis heute nicht aufgeklärt –  eine Jugendkonferenz bietet da die perfekte Bühne, um das internationale Image aufzupolieren. Studentische Demonstrationen gegen die Weltjugendkonferenz in Colombo wurden erfolgreich abgeschirmt, reflektierende Worte über die Vergangenheit und aktuelle Situation in Sri Lanka sind zu keinem Zeitpunkt gefallen. Lediglich das Ausbleiben der Teilnahme einiger UN Repräsentanten, wie dem Focal Point on Youth, deutete darauf hin, dass neben Jugendpolitik in Sri Lanka noch andere Themen von Belang waren.

Es bleibt zu hoffen, dass die nächste Jugendkonferenz nicht instrumentalisiert wird, um das angeschlagene internationale Image eines Staates zu verbessern. Vielmehr müssen die tatsächlich partizipativen Gestaltungs- und Einflussmöglichkeiten für Jugendliche auf einer Konferenz „über Jugend“ weiterhin gestärkt werden, ein erster kleiner innovativer Schritt in die richtige Richtung war die World Conference on Youth 2014.

Jugendvertreter*innen aus Deutschland Weitere Eindrücke:

Zwischenbilanzvideo direkt aus Colombo

Sri Lanka, ein ambivalenter Gastgeber, Bericht zur Menschenrechtslage

 

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