Sep 292008
 

Jugendliche an die Macht
Astrid Schrader (22) und Nicolas Klein (23) sind die deutschen UN-Jugenddelegierten

Als „Sprachrohr der Jugend“ bezeichnen sich Astrid Schrader und Nicolas Klein. Zu Recht, denn die Studenten sind die deutschen UN-Jugenddelegierten. Sie setzen sich für die Belange junger Menschen ein, indem sie Diplomaten als Experten in Sachen Jugendfragen die Sichtweise von Jugendlichen näher bringen. Mit diesem Ziel werden sie die deutsche Delegation zur Generalversammlung der Vereinten Nationen nach New York begleiten.
„Purer Zufall war es, der mich zu dem Amt führte“, sagt der 23-jährige Jurastudent. Er engagiert sich bei der Jugendaustauschorganisation AFS, wo er von der Arbeit der Jugenddelegierten erfuhr. „Das Amt hörte sich spannend an, zudem ergänzt es mein Studienschwerpunkt bestens“, erzählt Nicolas, der ein Interesse am Internationalen Recht hat. Für die 22-jährige Kulturwirtschaftsstudentin ist Jugendpartizipation „ein wahnsinnig wichtiges Thema“. Jugendliche räumen ihrer Meinung nach den klassischen Zukunftsthemen Nachhaltigkeit, demographischer Wandel oder effektive Bildungspolitik einen höheren Stellenwert ein, als ein Großteil der Entscheidungsträger. Da das Programm den Grundsatz Jugendpartizipation besonders ernst nimmt, war es keine Frage, dass sie die Bewerbung abschickte.
Zur Vorbereitung auf die Generalversammlung und um die Interessen der Jugend kennen zu lernen, haben Astrid und Nicolas das Gespräch mit Jugendlichen gesucht: „Von März bis September sind wir durch Deutschland gefahren und haben mit Schülern, Studenten, Auszubildenden und Bundeswehrsoldaten gesprochen.“ Während der Tour erfuhren sie, dass Jugendliche sich Gedanken über einen Arbeitsplatz, Vereinbarung von Familie und Beruf oder Chancengleichheit machen. „Große Erwartungen werden gegenüber dem Thema Reform des Bildungssystems geäußert“, berichtet Astrid.
Ende September fliegen Astrid und Nicolas nach New York. Neben Side Events und einem Treffen mit Ban Ki-moon, dem Generalsekretär der UN, dürfen sie im 3. Ausschuss für humanitäre, soziale und kulturelle Fragen vor 192 Staatenvertretern eine Rede halten. Sie verraten bereits, dass sie fordern werden, Jugend bzw. Jugendorganisationen als Zielgruppe und Agent bei der Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele eine größere Rolle spielt. „Schließlich ist mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung unter 25,“ betonen beide. Ein weiteres Ziel ist es zu schaffen, dass es bald in allen Mitgliedsländern Jugenddelegierte gibt. Obwohl die UN seit 1981 empfiehlt, Jugendliche in ihre nationalen UN Delegationen aufzunehmen, ist dies nicht der Fall: „In Deutschland wurde das Amt erst 2005 eingeführt und dass, weil Jugendliche es forderten“, sagt Nicolas.
Um sich so intensiv wie möglich vorzubereiten, haben beide ein Semester frei genommen. Doch auch wenn sie im Studium Zeit verloren haben, haben sie Erfahrungen gewonnen: „Das Amt bringt einen persönlich weiter und man trifft wahnsinnig interessante Personen. Zudem haben wir gesehen, dass die Jugend zu unrecht als Problemgruppe gesehen wird. Überall haben wir tolle Leute getroffen, die sich engagieren. Die Jugend muss stärker als Ressource gesehen werden!“

Ab Ende Oktober werden zwei neue UN-Jugenddelegierte gesucht. Weitere Informationen unter www.jugenddelegierte.de.

Elisabeth Böker, 20 Jahre