Sep 132013
 

frauenhaus13.09.2013 – Es gibt Orte, die man hofft in seinem Leben nicht betreten zu müssen. Frauenhäuser zählen mit Sicherheit dazu. Hier finden Frauen Zuflucht, die zuhause Gewalt, Diskriminierung, sexistisches Verhalten oder Freiheitsberaubung erfahren mussten. Es ist die letzte Anlaufstelle, wenn Freund*innen und Familie keine Hilfe mehr geben können, wenn es keinen Ort im Leben mehr gibt, an dem man Geborgenheit, Schutz und Zuneigung erleben kann.

Frauenhäuser helfen Frauen in Krisensituationen genau einen solchen Ort zu geben. Erst seit 1976 gibt es Frauenhäuser – das Thema Gewalt gegen Frauen hat erst spät Platz im politischen Diskurs gefunden. Auf UN Ebene wird Gewalt gegen Frauen erst seit 1995 als Menschenrechtsverletzung eingestuft. Das ist eine sehr späte Entwicklung, besonders vor dem Hintergrund, dass z.B in Deutschland  eine von vier Frauen von Gewalt betroffen ist und damit das Thema keinesfalls unwichtig ist  Die Frauen, die im Autonomen Lübecker Frauenhaus wohnen, kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten, gehören allen Religionen und Nationalitäten an. Insgesamt gibt es 40 Betten, die den betroffenen Frauen und ihren Kindern zur Verfügung stehen. Jede, die sich in einer Krisensituation aufgrund von männlicher Gewalt befindet, erhält Unterstützung. Was eine Krisensituation genau ist, definiert die Frau selbst – häufig ist es Gewalt, ob körperliche, sexueller oder seelische.

In unserem Gespräch mit drei Bewohnerinnen und einer Mitarbeiterin des Frauenhauses wurde deutlich wie unterschiedlich die Einzelschicksale sind. Was die Frauen eint, ist aber der innigste Wunsch ein neues, gewaltfreies Leben zu beginnen und mit den vergangen Erlebnissen abzuschließen. Dazu bietet das Frauenhaus Beratung und Unterstützung. Die, die das Angebot erreicht, haben eine gute Stütze für einen Neuanfang. Jedoch ist in Deutschland die Dichte von Frauenhäusern noch unter dem von der EU festgelegten Schnitt, d.h. nicht überall stehen ausreichend Frauenhausplätze für Frauen zur Verfügung und auch das Autonone Frauenhaus in Lübeck  ist ständig überfüllt. Darüber hinaus ist ein Problem der Frauen ihre finanzielle Abhängigkeit. Um den Frauen einen tatsächlichen Neuanfang zu ermöglichen, wäre eine finanzielle Soforthilfe, eine Art Sonderzahlung im Härtefall  wichtig sowie  die finanzielle langfristige Absicherung der Frauenhäuser. Denn die Folgekosten von Gewalt, wie z.B. die Arbeitsunfähigkeit oder Heimunterbringung der Kinder, belasten die Gesellschaft in deutlich größerem Ausmaß.

Weitere Forderungen, die sich in unserem Gespräch ergeben, sind folgende:

  • Es soll keine Beschränkungen bzgl. der Aufenthaltsdauer von Betroffenen in Frauenhäusern geben.  Aufenthaltsbeschränkungen verhindern  die Vergangenheit aufzuarbeiten und einen erfolgreichen Start in eine gewaltfreiere  Zukunft.
  • Es sollte ein Schulfach „Leben in der Familie / Partnerschaft, Freundschaft, Lebenskunde und Menschenrechte“ eingeführt werden, in dem auch für stereotypische Männer- und Frauenbilder sensibilisiert wird. Denn stereotypische Bilder über Männlichkeit und Weiblichkeit können unausgeglichene Machtstrukturen und Gewalt begünstigen.
  • Die Einführung von Notfallarmbändern (nach dem Vorbild aus Skandinavien) könnte Schutz gegen häusliche Gewalt schaffen.
  • Mehr Therapieplätze für Frauen, die Gewalt erleiden, sollten geschaffen werden, sowie für ihre Kinder (auch alternative Therapieformen müssen gestärkt werden).
  • Die Sicherheit von betroffenen Frauen sollte erhöht werden und  auch bauliche Schutzmaßnahmen in neuen Wohnungen ermöglicht werden.

Das Gespräch war für uns sehr hilfreich, um ein besseres Verständnis für das Leben von jungen Frauen zu entwickeln, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden. Wir danken den Frauen des Autonomen Frauenhauses in Lübeck, dass sie sich Zeit genommen haben, uns diesen Einblick zu ermöglichen.

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