Okt 292006
 

Die Ernennung des neuen Generalsekretärs
Nach dem üblichen Morgen-Emails-Beantworten und der ersten Morgenrunde mit den anderen Jugenddelegierten folgten wir um 10 Uhr den Massen in die Generalversammlungshalle, um dort die Ernennung des Südkoreaners Ban Ki-Moon zum neuen Generalsekretär mitzuerleben.

Die Präsidentin der Generalversammlung, Haya Rashed al-Khalifa eröffnete die Sitzung und forderte Ban Ki-Moon auf, einen Sitzplatz auf einem Holzstuhl auf dem Podium einzunehmen. Und so sahen wir sie vor uns: hinter dem Rednerpult saßen Kofi Annan, al-Khalifa und ihr Stellvertreter, vorn für alle sichtbar Ban Ki-Moon. Kofi Annan wurde zuerst das Wort erteilt. In seiner kurzen Ansprache erklärte Annan, es freue ihn sehr, dass die Wahl seines Nachfolgers auf Ban Ki-Moon gefallen sei. Er gratulierte der Weltgemeinschaft, dass es nicht wie bei seiner eigenen Wahl einen ausgedehnten Wahlprozess gegeben habe, der schlussendlich in einer Amtseinführung an einem Freitag, den 13. mündete (allerdings der 13. Dezember 1996). Annans Rede war einer der bewegendsten Momente unserer Zeit in New York. Es war ihm sichtlich anzumerken, wie wichtig ihm seine Arbeit und die Umsetzung zentraler Ziele der Vereinten Nationen wie die Bekämpfung der Armut und eine gerechte und friedliche Welt sind.
Anschließend gaben Repräsentanten der verschiedenen Ländergruppen (EU, G77, Südamerika, …) Statements ab. Sie alle hatten ähnliche Inhalte: Gratulation an Ban Ki-Moon und Dank an Kofi Annan in verschiedensten Ausführungen.
Zu guter Letzt durfte der neu gewählte Generalsekretär die Sitzung abschließen. Wir Jugenddelegierten merkten sofort auf, als Ban Ki-Moon in seiner Rede über ein Ereignis aus seiner eigenen Jugend berichtete. Er schilderte, dass er mit 12 Jahren ausgewählt wurde, um eine Botschaft seiner Grundschule an den damaligen Generalsekretär Dag Hammarskjöld öffentlich vorzutragen, um auf die missliche Lage in Korea aufmerksam zu machen. Selbstverständlich nutzen wir diesen perfekten Aufhänger als wir Ban Ki-Moon nach der Sitzung persönlich mit Handschlag zu seiner Wahl gratulieren. 😉 Wir erklärten ihm, dass es uns als Jugenddelegierte bei der UNO besonders freute, dass er die Jugend in seiner ersten Rede erwähnt hatte und wir sehr hoffen, dass er auch in Zukunft der großen Anzahl Jugendlicher weltweit Aufmerksamkeit schenken werde.

Treffen mit der Präsidentin der Generalversammlung
Nachmittags trafen wir Haya Rashed al-Khalifa, die Präsidentin der Generalversammlung. Sehr zu unserer Freude hatte sie unsere Anfrage für ein Treffen bestätigt. Al-Khalifa hat zwar ähnlich wie Kofi Annan stets drei Security-Angestellte um sich, im Gegensatz zu Kofi Annan hat sie aber keine Sekretärin der Sekretärin, ihr Vorzimmer ist leichter zugänglich und so empfing uns al-Khalifa, wie ihre persönlichen Assistentinnen es angekündigt hatten, kurzerhand in ihrem Büro. Wie inzwischen schon fast zur Routine geworden, erläuterten wir al-Khalifa unsere Rolle als Jugenddelegierte, unser Bedauern, dass dieses Jahr nur Jugenddelegierte aus 13 Staaten vor Ort sind und überreichten ihr unseren Bericht.

Zweites Treffen mit Hamid al-Bayati, Vorsitzender des 3.Ausschusses
Sehr zu unserer Überraschung nahm sich Hamid al-Bayati am Freitagabend um 18 Uhr (!) Zeit für ein zweites Treffen mit uns. Zu unserer Freude hatte er unseren Report nicht nur ausführlich gelesen, sondern präsentierte uns einige Anmerkungen und Ideen zu Beginn des Gespräches. Im Laufe der Stunde sagte er uns zu, einen Brief an alle UNO-Mitgliedstaaten zu senden mit der Aufforderung Jugenddelegierte für die Sozialentwicklungskommission im Februar in die Delegationen aufzunehmen. Al-Bayati bot sogar an diesem Brief unseren, wie er sagte „hervorragenden“, Bericht beizulegen. Außerdem schlug er vor, gemeinsam zu überlegen, wie die Arbeit der Jugenddelegierten in Zukunft besser abgestimmt werden könnte und was er als Vorsitzender des Dritten Ausschusses dafür tun könnte. Für die weitere Korrespondenz stellte er uns seine Assistentin Jasmin vor. Jasmin ist selbst erst 26 Jahre alt. Bei einem weiterem Kaffee mit Jasmin zwei Tage später in der Delegates Lounge stellte sich heraus, dass sie sich selber mit Jugendarbeit im Irak beschäftigt und großes Interesse hat, gemeinsam mit uns etwas auf die Beine zu stellen.