Jun 122008
 

Bonn, 8. Juni 2008: Im Mai hat das Ministerkomitee des Europarates ein Weißbuch angenommen, das die Grundsätze der 47 europäischen Staaten für den interkulturellen Dialog beschreibt. Viele Forderungen und Vorschläge betreffen im Speziellen den Jugendbereich.

Um eine einheitliche und langfristige Politik zur Förderung des Interkulturellen Dialogs innerhalb Europas und mit den Nachbarstaaten zu formulieren, hat der Europarat ein Weißbuch zum Interkulturellen Dialog – „White Paper on Intercultural Dialog – Living Together As Equals in Dignity��? – veröffentlicht. Ein Weißbuch ist ein Dokument, das Hintergrundinformationen und Handlungsempfehlungen zusammenträgt. Es richtet sich an Politiker und Praktiker auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene und soll Leitlinien sowie analytische und methodologische Instrumente für die Unterstützung des Interkulturellen Dialogs liefern.

Der demokratische Umgang mit kultureller Vielfalt wird im Weißbuch als eine zentrale Aufgabe von Demokratien verstanden. Dabei wird kulturelle Vielfalt als Phänomen der historischen Entwicklungen in Europa angesehen, die aktuell durch die Globalisierung gesteigert wird. Der Interkulturelle Dialog sei „ein Schlüssel für die Zukunft Europas, so das Weißbuch. Ziel sei eine offene Gesellschaft ohne Diskriminierung und Ausgrenzung.
Das Weißbuch evaluiert dafür die bisherigen Aktivitäten des Europarats auf diesem Gebiet, bringt Beispiele guter Praxis und wissenschaftlicher Studien und formuliert Schlussfolgerungen für die Implementierung eines Interkulturellen Dialogs. Außerdem nennt es langfristige Ziele für die Politik in Europa, sowohl für den Europarat selbst als auch für die Regierungen und Gesellschaften in Europa, ebenso wie für verschiedene Zielgruppen und Initiativen, die zu einer Umsetzung in verschiedenen Kontexten beitragen können.
In dem Papier werden fünf wesentliche Aktionsfelder genannt: die Akzeptanz kultureller Vielfalt, das Schaffen eines konzeptionellen Rahmens, demokratische Beteiligungsrechte und die Verteilung der Verantwortung auf staatliche und bürgerschaftliche Initiativen. Außerdem nennt das Weißbuch fünf Politikfelder, in denen Voraussetzungen und Bedingungen, damit ein Interkultureller Dialog etabliert wird und gelingt, geschaffen werden. So müsste eine politische Kultur geschaffen werden, die kulturelle Vielfalt anerkennt, es müssten demokratische Bürgerschaft und Partizipation gestärkt werden, interkulturelle Kompetenzen müssten vermittelt und gelernt werden, Räume für den Interkulturellen Dialog sollten geschaffen und ausgeweitet werden, und Interkultureller Dialog sollte als Thema und Methode auch auf internationalem Level angewandt werden.

Nicht erst im Weißbuch nennt der Europarat die Jugend als eine der wichtigsten Zielgruppen. Neben dem Ministerrat haben auch die Bildungs- und Jugendminister der im Europarat vertretenen Staaten verstärkt seit 1990 immer wieder Erklärungen und Empfehlungen abgegeben, die sich mit kultureller Vielfalt, Diskriminierung und Ausgrenzung befassten. Sie mündeten unter anderem in die große Jugendkampagne des Europarats „Alle anders – alle gleich“.

Das Weißbuch stellt dafür vor allem das nicht-formale Lernen besonders heraus. Lernen außerhalb von Schule und Universität, vor allem in der Jugendarbeit, sowie alle Formen freiwilligen Engagements spielten bei der Entwicklung eines Interkulturellen Dialogs eine prominente Rolle, heißt es. Dabei würden Werte vermittelt, die für den Interkulturellen Dialog zentral seien. Jugend- und Sport-Organisationen, religiöse Gemeinschaften seien besonders geeignet, den Interkulturellen Dialog in einem nicht-formalen Kontext zu fördern. Jugendgruppen seien mit ein Pfeiler sozialer Integration. Sie seien oft erfolgreicher in der Beteiligung von Menschen mit Minderheitenstatus als andere Zusammenhänge und böten als Schlüsselorte für interkulturelles Lernen gute Gelegenheiten, sich mit Gleichaltrigen mit unterschiedlichen Hintergründen zu treffen, zu kommunizieren und gemeinsamem Aktivitäten zu entwickeln. Um dies zu unterstützen, müssten aber mehr von denjenigen, die mit jungen Menschen in Jugendarbeit und Schulen arbeiten, interkulturelle Kompetenzen erlangen.

Außerdem seien zivilgesellschaftliche und Nicht-Regierungs-Organisationen ein unverzichtbares Element einer pluralistischen Demokratie. Sie förderten die aktive Partizipation in öffentlichen Angelegenheiten und verantwortungsvolle demokratische Bürgerschaft. Deswegen sollten auch Migrantenorganisationen in die Lage versetzt und gefördert werden, Freiwilligenarbeit vor allem für junge Menschen mit zu tragen.

Der Europarat, so wird im Weißbuch versprochen, werde weiterhin Jugendaktivitäten und Jugendorganisationen fördern, um den Interkulturellen Dialog und das Erlernen von interkulturellen Kompetenzen voranzubringen. Trainingskurse für Multiplikatoren zur Förderung Europäischer Bürgerschaft und Menschrechtserziehung, die im Rahmen der „Jugend-Partnerschaft“ mit der Europäischen Kommission angeboten werden, sollen ausgeweitet werden. Für das Jahr 2008 hat der Europarat, eine europaweite Kampagne gegen Diskriminierung geplant, die vor allem die Rolle der Medien thematisiert.

Astrid

White Paper on Intercultural Dialogue
“Living Together As Equals in Dignity��? – 118th Session of the Committee of Ministers, Strasbourg, 7 May 2008 – Ministers’ Deputies, CM Documents, CM(2008)30 final 2 May 2008