Jugendarbeitslosigkeit im Fokus: Podiumsdiskussion und Statement der belgischen Jugenddelegierten

 
EU-Komissar Andor und der belgische Jugenddelegierte Jonathan

EU-Komissar Andor und der belgische Jugenddelegierte Jonathan

Die Sozialenentwicklungskomission veranstaltete am 6. Februar eine Podiumsdiskussion über die Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit, einem Schwerpunktthema („emerging issue“) ihrer Arbeit.

Jugendarbeitslosigkeit war einer der wesentlichen Auslöser für die Massenproteste bis hin zu ganzen Revolutionen der Jugend auf der ganzen Welt. Jugend war bisher schon überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen, aber durch die aktuellen Krisen hat sich das Problem nochmal verschärft: mehr als 75 Millionen junge Menschen waren am Ende des Jahres 2010 arbeitslos! Junge Frauen waren am ehesten arbeitslos, unterbeschäftigt oder von Armut bedroht und Entwicklungsländer sind am stärksten betroffen. Der stellvertretende Vorsitzende der Kommission Elbahi aus dem Sudan stellte heruas, die Herausforderung bestehe darin, nicht nur die Zahl der verfügbaren Arbeitsplätze zu erhöhen, sondern auch deren Qualität. Er rief dabei selbstorganisierte Jugendorganisationen auf, sich dafür einzusetzen, dass Jugendarbeitslosigkeit ganz oben auf die Agenda der Vereinten Nationen gesetzt wird. Das Weltaktionsprogramm für die Jugend sei eine gute Grundlage und auch der neue Welt-Jugend-Bericht bereichere die Diskussion.
Elbahi moderierte die Podiumsdiskussion, an der
László Andor, EU-Kommissar für Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit,
Gianni Rosas, Programm-Koordinator, des Jugendbeschäftigung-Programms der International Arbeitsorganisation (ILO) und
Ines van de Kerchove Baraibar, Koordinatorin einen Jugendbeschäftigungprogrammes in Uruguay und Vertreterin des Weltbund von CVJM teilnahmen.

EU-Komissar Andor stellte erschreckende Zahlen vor: Die Jugendarbeitslosigkeit lag in der EU bei rund 20 Prozent im Durchschnitt, mit Spitzen von bis zu 40 Prozent in einigen Ländern. Es sei die Rede von einer „verlorenen Generation“. Die Europäische Strategie 2020schlage als Reaktion darauf einen integrierten Ansatz vor: das Bildungsniveau anzuheben, green economy auszubauen und die Intergation von sozialen Rangruppen zu fördern. Die Europäischen Kommission unterstützt die Mitgliedstaaten durch die Bereitstellung von Finanzierung, Beratung und Standards für die Ausbildung.
Rosas präsentierte die neuesten Daten, die das Ausmaß der Jugendarbeitslosigkeit zeigen auf Basis des Global Employment Trends for Youthder ILO vom Oktober 2011. Krisen ließen Jugendarbeitslosigkeit in einigen Ländern hochschnellen, zum Beispiel hat sie sich in Griechenland und Spanien verdoppelt. Ein alarmierendes Ergebniss ist der Anstieg der „Armut trotz Arbeit“.
Die Vertreterin des Weltverbandes von CVJM erzählte von ihren Erfahrungen mit Beschäftigsungspogrammen in Uruguay. Sie betonte vor allem, dass die Altersspanne zwischen 15 und 30 Jahren eine kritische Zeit des Übergangs sei. Wer sich hier langfristige berufliche Ziele steckt, hätte viel mehr Möglichkeiten als sog. gefährdete Gruppen, bei denen darum geht sich kurzfristig über Wasser zu halten und daher allgemeine und berufliche Bildung schleifen lassen.
Oft sei das Bildungsniveau aber auch auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes abgestimmt, was sich af die Qualität der Beschäftigung auswirkt: viele junge Menschen suchen vergeblich nach einem Job, weil sie nicht die adäquate Schulbildung erhalten haben, andere fühlen sich überqualifiziert für unqualifizierte Tätigkeiten und bleiben lieber arbeitslos, ärmere Jugendliche, vor allem Frauen, landen oft in schlecht bezahlten, unsicheren Arbeitsverhältnissen.

Oeljana bei ihrer Rede

Im Rahmen der Diskussion gaben auch die beiden belgischen Jugenddelegierten, Oeljana Radelicki und Jonathan Moskovic, ein Statement ab. Sie fordern als Antwort auf die steigende Jugendarbeitslosigkeit mehr Investitionen in eine grüne Wirtschaft. Die Staaten sollten ihre Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklungspolitik ernst nehmen und und Rio + 20 zum Erfolg verhelfen. Bildung, formelle oder informelle, sehen sie als wichtigsten Faktor, um Armut einzudämmen. Budgetkürzungen im Bildungswesen aufgrund von Staatsschulden seien nicht vertretbar.

Was wird dafür getan? Verschiedene Staaten präsentierten ihre Ansätze: Japans Vertreter schlug vor, die Rolle von Freiwilligenarbeit bei der Eingliederung junger Menschen in den Arbeitsmarkt stärker in den Blick zu nehmen, der Vertreter von Korea brachte ein, Online-und Social-Media-Lösungen für die Jobsuche von Jugendlichen zu entwickeln.Trinidad und Tobago präsentierte ein facettenreiches Konzept der nationalen Jugendpolitik, das auf Bildung setzt, zum Beispiel Entwicklung von Führungsqualitäten. In Sambia führte die Regierung zusätzliche Universitäten ein und stellt eine Starthilfe für kleine und mittlere Unternehmen zur Verfügung.

Michelle Klein Solomon, die Ständige Beobachterin der Internationalen Organisation für Migration (IOM), wies auf den dreifachen Mehrwert von Migration hin: Jugendliche profitieren, wenn sie im Ausland eine qualittäsvolle Ausbildung genießen, das Heimtland profitiert, wenn der oder die Jugendliche das Know-how mit zurück nach Hause bringt, und das Aufnahmeland, wenn der oder die Migrierende neuen Input, kreative Ideen und Arbeitskraft mitbringt. Auf der anderen Seite stellte sie jedoch auch negative Effekte wie Brain Drain heraus. Sie sagte, es sei von entscheidender Bedeutung die Menschenrechte und den sozialen Schutz von Migranten zu erweitern. Sie erinnerte an die Situation in Libyien, die die Verwundbarkeit von Wirtschaftsmigranten im Konfliktfall zeigte.
Lila Ratsifandrihamanana, Direktorin des Verbindungsbüros der Food and Agriculture Organization (FAO) bei den Vereinten Nationen, betonte wie wichtig es ist, die Jugend in die Entwicklungsarbeit einzubeziehen und hob heraus, dass die Unterstützung der Landjugend und von Junglandwirten ein wichtiger Teil der FAO-Arbeit war. Sie unterstrich dabei die Notwendigkeit von Programmen für die ländlichen Jugend, um Abwanderung in die Städte zu verhindern.

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