UN Jugenddelegierte beantworten Fragen zur Bewerbung

 

Hier beantworten wir euch einige oft gestellte Fragen.

Was macht ihr als Jugenddelegierte eigentlich genau?

Als UN Jugenddelegierte/r bist du vielseitig unterwegs. Du reist durch ganz Deutschland. Auf deiner Tour besuchst du Jugendliche, um mit ihnen Workshops zu machen, über Politik zu diskutieren und Forderungen einzusammeln. Du bist im Familien- und Jugendministerium sowie im Auswärtigen Amt unterwegs. Dort sprichst du mit PolitikerInnen und Mitarbeitenden, um viel politisches und diplomatisches Know-How zu sammeln. Und schließlich bist du in New York bei den Vereinten Nationen, hältst eine Rede, sprichst mit Diplomaten, veranstaltest eine Podiumsdiskussion und verhandelst die Jugendresolution mit. Du sprichst mit Medien über deine Arbeit und deine Arbeit und betreust Jugenddelegiertenseite, den Facebook- und Twitter Auftritt. Es sind unterschiedlichste Aufgaben, die auf dich zukommen. Letztlich funktioniert demokratische Politik aber genau so: auf vielen Ebenen, mit verschiedensten Menschen und Herausforderungen, die du auf dich nimmst. Damit aus Forderungen, Wünschen und Träumen auch Realitäten werden.

Was muss ich mitbringen, um mich als Jugenddelegierter zu bewerben?

Für dieses Ehrenamt musst du zwischen 18 und 24 Jahre alt sein und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen (auch wenn wir gerade daran arbeiten, dass das kein Kriterium sein muss). Erfahrungen aus der Jugend(verbands)arbeit und ehrenamtliches Engagement sind wichtig. Außerdem solltest du Leidenschaft für internationale Themen und die Vereinten Nationen mitbringen. Mal an einer „Model United Nations“ teilgenommen zu haben ist sicherlich hilfreich, aber keine Pflicht.

Vor allem ist wichtig, dass du mit Leidenschaft dabei bist. Dein Lebenslauf sollte der letzte Grund sein, warum du dich bewirbst. Dich sollte eher die Motivation antreiben, 15 Millionen junge Menschen mit starker Stimme zu vertreten. Du musst kein perfekter Diplomat sein. Es ist die junge Energie und der Mut zu Fehlern, die dieses Amt so lebendig machen. Wir ermutigen dich: Bewirb dich! Das ist DIE Chance auf das politisch spannendste Jahr Deines Lebens.

Lässt sich das Amt der UN Jugenddelegierten mit meiner Ausbildung, meinem Studium und meinem sonstigen Leben vereinbaren?

Wir beide haben es geschafft, neben dem Programm noch weiterzustudieren. Der Zeitaufwand als Jugenddelegierte/r lässt sich flexibel einteilen, ist aber im Vergleich zu anderen Ehrenämtern enorm hoch und erfordert ein hohes Maß an persönlichem Einsatz. Ob am Computer, auf Tourstationen oder in New York: Die Vereinbarkeit der Tätigkeit als UN Jugenddelegierte/r mit deinem Studium hängt ab von der Anzahl deiner Veranstaltungen, der Reglungen zur Präsenzpflicht und deinen Möglichkeiten auch außerhalb der Ausbildung oder Uni selbstständig Inhalte nachzuarbeiten. Mit cleverem Zeitmanagement, mit einer entgegenkommenden Haltung deiner Dozierenden und vielleicht nicht dem alleranstrengendsten Studiengang sollte es allerdings kein Problem sein, die Tätigkeit zu stemmen. Falls es dir doch wie ein Ding der Unmöglichkeit erscheinen sollte, kannst du ja von deinen Veranstaltungen zurückschrauben oder ein, zwei Urlaubsemester nehmen.
Da wir zu zweit arbeiten, oft zu zweit unterwegs sind, aber nicht müssen, haben wir auch häufig Tourstationen untereinander aufgeteilt.
Denn Freunde und Familie sollten nie auf der Strecke bleiben. Sie sind die Menschen, die dir dir Rückhalt bei der herausfordernden Aufgabe als UN Jugenddelegierte/r geben.

Was meint ihr mit Engagement in der Jugendarbeit und Interesse an den Vereinten Nationen?

Als Jugenddelegierte*r ist es wichtig mit vielen Jugendlichen zu sprechen, Veranstaltungen durchzuführen und sich mit Jugendthemen auszukennen – hier sind Leute, die in der Jugendarbeit bzw. Jugendpolitik engagiert sind aufgrund ihrer Erfahrung oft im Vorteil. Es ist sowohl möglich in klassischen Jugendverbänden, wie den Pfadfindern, den konfessionellen Jugendverbänden, der Sportjugend oder politischen Jugendverbänden engagiert zu sein. Aber auch wenn du Mitglied in einem Jugendgemeinderat oder dich in einer anderen Gruppe aktiv betätigst, ist das ein positiver Punkt für das Auswahlgremium.
Interesse und Engagement im Bereich der Vereinten Nationen beinhaltet z.B. die Teilnahme an Model United Nations oder das Engagement in Schul- oder Hochschulgruppen. Aber auch allgemeines Interesse an der Arbeit der UNO und die Motivation sich weiter einzuarbeiten sind wichtig.

Wie finanziert man sich als Jugenddelegierte? In einem Ehrenamt wird man doch nicht bezahlt, oder?

Genau! UN Jugenddelegierte*r zu sein, ist ein großes, einjähriges Ehrenamt. Für Deine Tätigkeiten bekommst Du keine Bezahlung. Die anfallenden Kosten werden jedoch erstattet. Zugfahrten, Flüge und Unterkünfte zahlen die Trägerorganisationen. Diese und auch die Partnerministerien unterstützen Dich so gut es geht bei Deiner Arbeit.

Vielleicht findest Du dazu ja einen Lebensstil, der kostengünstig ist. Ein Nomadenleben ist während der Zeit mal mehr, mal weniger ein Normalzustand. Natürlich ist die Finanzierungsfrage nicht immer leichte, aber daran sollte es wirklich nicht scheitern. Wir sind sicher: für jegliche Schwierigkeiten können in Absprache mit allen Beteiligen Lösungen gefunden werden. Geld sollte keine Barriere für Deine Bewerbung darstellen.

Und auch wenn keine Münzen rollen oder Scheine fliegen: die Erfahrungen, die Du während deines Jahrs machst, die Menschen, die du triffst, die Dinge, die Du bewegen kannst. Das alles, ist schlicht und einfach unbezahlbar.

Ihr sagt ihr sucht keine Mini-Diplomat*innen. Ich möchte aber einmal Diplomat*in werden. Da ist das Jugenddelegiertenprogramm doch perfekt für meinen Lebenslauf, oder?

Als einer von zwei Jugenddelegierten bist du nicht Diplomat*in, sondern bringst die Interessen, Wünsche und Forderungen der Jugendlichen in Deutschland bei den Vereinten Nationen ein. Dazu gehört viel Wissen, Motivation und Engagement – denn das Programm besteht nicht nur aus den 3 Wochen in New York, sondern vor allem in der Deutschlandtour, während der du mit Jugendlichen aus verschiedenen Regionen, mit verschiedener Bildungshintergründen und Lebenssituationen arbeiten wirst.
Falls also dein Lebenslauf dein Hauptanliegen ist oder du nur mal in die UN reinschnuppern willst, ist evtl. ein Praktikum beim Auswärtigen Amt oder den Vereinten Nationen eine bessere Möglichkeit.

Was ist euch besonders wichtig bei Bewerber*innen?

Uns sind vor allem Engagement und die Motivation sich in alle wichtigen Bereiche als Jugenddelegierte*r einzuarbeiten und eigene Ideen umzusetzen wichtig. Ihr solltet Lust haben, sowohl mit Jugendlichen als auch mit Politikern zu sprechen, flexibel und belastbar sein – manchmal ist das Jugenddelegiertenprogramm nämlich sehr anstrengend und auch das sollte man aushalten können. Das Programm bringt viel Arbeit mit sich, bietet aber auch viele Chancen. Sei einfach du selbst und bewirb dich!

Wer steckt hinter dem Programm?

Mysteriöse Frage, quadratische Antwort: Wir bewegen uns in einem magischen Viereck aus 2 Ministerien und 2 Trägerorganisationen. Das Auswärtiges Amt und die DGVN – Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. sind für Internationales zuständig. Das Jugendministerium (BMFSFJ) übernimmt gemeinsam mit dem Deutsches Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit (Deutscher Bundesjugendring) den jugendpolitischen Part. So sind wir an Jugendverbände gut angebunden, bekommen aktuelle Infos aus der UN und haben einen heißen Draht zu Entscheidungsträger*innen auf unterschiedlichsten Ebenen.

Habt ihr Kollegen?

Ja! Circa 30 andere Länder entsenden Jugenddelegierte. Bei der Generversammlung und den anderen Foren arbeiten wir eng mit ihnen zusammen, um unseren Stimmen mehr Gewicht zu geben. Allerdings nimmt nicht jedes Land Jugendbeteiligung ernst. Die Qualität einiger Programme sowie die globale Verteilung der Jugenddelegierten ist sehr unausgewogen. Länder mit einem hohen Anteil an Jugendlichen in der Bevölkerung sind oft die ärmsten und haben keinerlei Vertretung. Deshalb ist es auch unser Ziel, mehr junge Menschen aus dem globalen Süden in den politischen Diskurs einzubeziehen.

Wie entstand das Jugenddelegiertenprogramm in Deutschland?

Die Empfehlung aus den 1980ern wurde in Deutschland zunächst nicht umgesetzt. Es brauchte zwei junge, engagierte Menschen, welche die Beteiligung junger Menschen mit großem Engagement und Ausdauer forderten. Vor 10 Jahren konnten sie sich schließlich durchsetzen: die Ministerien willigten ein und auch Trägerorganisationen wurden gefunden. Die beiden Studierenden sind nie selbst als Jugenddelegierte nach New York gereist. Sie sind und bleiben jedoch unsere großen Vorbilder. Sie setzten sich für ihre, unsere Rechte ein und zeigten, dass echter Wandel auch „von unten“ kommt.

Wie entstand das Jugenddelegiertenprogramm weltweit?

New York 1981: Die Vereinten Nationen empfehlen, dass Mitgliedstaaten Jugenddelegierte in ihre Delegationen aufnehmen, um eine direkte Form der Jugendbeteiligung zu sichern. Grundgedanke ist, durch junge Menschen frische Ideen einzuholen und Jugendliche mitzunehmen: Politik nicht nur über sie, sondern für sie und mit ihnen zu machen. Für die Umsetzung dieser Empfehlung sind die Nationalstaaten zuständig. Viele sind ihr bis heute nicht nachgekommen. Finanzielle Gründe sind oft eine gute Ausrede. Jugenddelegierte sind vielen einfach zu unbequem. Denn wer Menschen eine Stimme gibt, muss ihnen auch zuhören. In Deutschland gibt’s das Programm nicht seit 1981. Wie und wann es dazu kam erfahrt ihr bald!