alle anders – alle gleich

 

Illingen, 18. März 2007:

„Es geht uns alle etwas an!
Schaut nicht weg!
Greift ein!“

Viel besser könnte man die Atmosphäre bei der „Projektwerkstatt Vielfalt“ der DNK-Jugendkampagne „alle anders – alle gleich“ vom 15.-18. März im kleinen, idyllischen Städtchen Illingen im Saarland nicht beschreiben. 60 Jugendliche aus ganz Deutschland entwickelten eigene Ideen, wie sie sich in den nächsten Monaten gegen Rechtsextremismus und für Vielfalt und Kinder- und Menschenrechte stark machen.

Illingen2Foto: Jugendserver Saar

In unserer Arbeitsgruppe „Kinder- und Menschenrechte im Alltag“, geleitet von Timo Reinfrank von der Amadeu-Antonio-Stiftung, wurden zahlreiche Projektideen entwickelt und Forderungen aufgestellt.

Ömer und Daniel (11 und 12 Jahre, aus München Umgebung) waren zwar unter den Jüngsten, zeigten aber, dass auch sie
sehr wohl wissen, welche Kinderrechte für sie wichtig sind. Neben dem Recht auf Bildung und auf Mitbestimmung, forderten sie vor allem Respekt. „Ich will andere so respektieren, wie auch ich von ihnen erwarte, dass sie mich respektieren!“ Die Umsetzung in kleine Theaterszenen machte sicherlich jedem verständlich, was damit gemeint war. Unter anderem ging es darum, dass auch Eltern und Erwachsene unsere Meinung nicht einfach ignorieren können.

Sind Kinderrechte auch Menschenrechte?
Leider hat Deutschland als eines von nur 3 Ländern die UN-Kinderrechtskonvention nicht vollständig ratifiziert! Die Bundesregierung hält sich weiterhin vor, dass minderjährige Flüchtlinge abgeschoben werden können. Mohammed von „Jugendliche ohne Grenzen“ berichtet, wie seine kleine Schwester im Alter von 3 Monaten eine Abschiebung unabhängig von Eltern und Familie bekommen hat.

Wie liest sich das Recht auf Respekt in der UN-Kinderrechtskonvention, fragst du sicherlich? Nach unserer Meinung wird dieses Recht vor allem in vier Artikeln ausgedrückt:


Artikel 3: Im besten Interesse des Kindes
Bei politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Entscheidungen sollen die Interessen und Belange der Kinder vorrangig berücksichtigt werden.

Artikel 12: Berücksichtigung der Meinung des Kindes
Kinder haben das Recht, ihre Meinung frei zu äußern. Sie haben ein Anrecht darauf, dass ihre Meinung bei Fragen, die sie betreffen, gehört und berücksichtigt wird.

Artikel 16: Schutz der Privatsphäre
Kinder haben das Recht auf Schutz vor unbefugter Einmischung in ihre Privatsphäre, ihre Familien, ihr Zuhause und ihren Schriftverkehr. Sie haben ein Recht auf Schutz vor Angriffen auf ihre Würde und ihr Ansehen.

Artikel 31: Recht auf Freizeit, Erholung und kulturelle Aktivitäten
Kinder haben das Recht auf Erholung, Freizeit, Spiel und Teilnahme an kulturellen und künstlerischen Aktivitäten.

illingen1
Foto: Jugendserver Saar

Viele weitere tolle Projektideen entstanden in diesen wenigen Tagen. Eine Theater- und eine Filmgruppe setzten sich mit dem Thema Ausgrenzung, Diskriminierung und Vielfalt auseinander. Bilder und Eindrücke findet ihr hier auf dem Jugendserver Saar des Landesjugendrings Saarland und direkt bei der Jugendkampagne.

Die Gruppe „Flüchtlingsschutz – Nicht bei uns?“, geleitet von Nicole Viusa von Pro Asyl und von Mohammed Jouni von den Jugendlichen ohne Grenzen, beschloss sich der „Hiergeblieben“-Kampagne anzuschließen. Am UN-Weltkindertag am 21. September will jeder von ihnen vor Ort eine Aktion starten, um auf die Situation von jungen Flüchtlingen, ihre Benachteiligung und drohende Abschiebung aufmerksam zu machen.

Wie stellt man sicher, dass Ideen nicht reine Ideen bleiben, sondern auch realisiert werden? Statt lange Reden zu schwingen, verspricht Detlef Raabe, Sprecher des Nationalen Kampagnenkomitees und Vorsitzender des Deutschen Bundesjugendrings, den ersten Stolperstein in Illingen zu bezahlen. Zwei Illinger Jugendlichen hatten in ihrem Workshop den Vorschlag ausgearbeitet mit Stolpersteinen, an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern, die aus der eigenen Stadt kamen. Der Illinger Bürgermeister Herr König schloss sich der Idee an und finanziert einen weiteren Stolperstein.

Und wo steckt die Vielfalt! Vielfalt passt in (k)einen Rahmen! So hieß ein Kreativwettbewerb der Kampagne, bei dem unglaublich tolle Beiträge eingesendet wurden. Auch die Vielfalt unserer Gruppe passte in keinen Rahmen! Der unglaublich große Respekt zwischen uns Jugendlichen von 12 bis 25 Jahren aus ganz Deutschland mit unterschiedlicher Herkunft, Religion und Weltanschauung war die Stärke dieser Veranstaltung und gab uns die Hoffnung, dass wir auch zukünftig mit solchen, engagierten jungen Menschen etwas bewegen können!

Vielfalt passt in keinen Rahmen. Illingen rockt (nicht nur auf dem Festival „da rock“) und wir waren mit dabei. Ich hoffe es ist nicht das letzte Mal, dass man in Illingen vor dem Abschlussessen gemeinsam Roma-Tänze tanzt, wie sie uns Beko und Arsim beibrachten.

Herzlichen Dank an die Kampagne für diese besondere Veranstaltung und herzlichen Dank an alle Teilnehmer, die mir sehr viel beibrachten und Forderungen und Visionen auf den Weg gaben.

Schau nicht weg! Greif ein!