G8 Youth Hearing im UN-Campus Bonn

 

Bonn, 19.05.2007: Beim Youth Hearing G8 konnte ich mit Jugendlichen und jungen Multiplikatoren des BDKJ aus ganz Deutschland Forderungen an die G8-Staaten erarbeiten und mit Persönlichkeiten aus Politik und Kirche diskutieren.

„Afrika braucht keine neue Versprechungen von den G8 Staaten. Wenn Angela Merkel wirklich ein Zeichen setzen will, sollen zu aller erst die alten Forderungen erfüllt werden!“ (Tajudeen Abdul-Raheem, Koordinator der UN-Millenniumskampagne Afrika)

Das Youth Hearing G8, organisiert vom Bund der Katholischen Jugend (BDKJ), Misereor, Justitia et Pax und der UN-Millenniumskampagne, fordert anlässlich des G8 Gipfels, der vom 06. bis 08. Juni in Deutschland stattfindet, die reichen Länder und insbesondere die Bundesregierung auf, sich konsequent für Gerechtigkeit und Armutsbekämpfung einzusetzen.

„Deutschland liegt mit 0,36 % weit hinter der versprochenen Hilfe zurück. Rechnet man die Entschuldung des Iraks und von Nigeria heraus, beläuft sich die deutsche Entwicklungshilfe sogar nur auf 0,23 %. Dies ist mehr als beschämend für dieses Land.“ (Dr. Renée Ernst, Koordinatorin der UN-Millenniumskampagne Deutschland)

Mit traumhaftem Blick über unsere ehemalige Hauptstadt Bonn diskutierten wir im 27. Stock des UN-Gebäudes, im Volksmund „Langer Eugen“ genannt, die für uns zentralsten Themen auf der G8 Agenda. Ich hatte mich für das Thema „Bildung für alle“ entschieden, da dies auch ein wichtiger Schwerpunkt in der UN Jugendresolution „Jugend in der globalen Wirtschaft“ sein wird, welche im Oktober bei der Generalversammlung auf dem Programm steht. Unsere Diskussionen und Forderungen bestärkten die Millennium Entwicklungsziele 2 (Grundschulbildung für alle) und Ziel 3 (Geschlechtergerechtigkeit, Förderung von Mädchen und Frauen), gingen jedoch aber im Bereich „Bildungszugang und Chancengleichheit für alle“ darüber hinaus und setzten einen neuen Schwerpunkt auf Inhalt und Qualität (empowerment von Kindern und Jugendlichen, Kinder- und Menschenrechtsbildung im formalen und informalen Bereich).

“Wir dürfen die versprochene Aufstockung der Entwicklungshilfe auf 0,7 % des BIP nicht abhängig machen von einer guten oder schlechten wirtschaftlichen Konjunktur. Wir müssen jetzt handeln und unsere Versprechungen erfüllen.“ (Dr. Georg Fahrenschon, MdB CSU)

Die insgesamt über 60 Teilnehmer setzten sich darüber hinaus mit den Themen „Recht auf Gesundheit“, „Recht auf Nahrung“ und „Recht auf Arbeit“ auseinander. Am Nachmittag wurden die Forderungen und Selbstverpflichtungen dem Plenum vorgestellt und mit Persönlichkeiten aus Politik und Kirche diskutiert:

    Dr. Frithjof Schmidt, stellv. Vorsitzender Entwicklungsausschuss im Europ. Parlament
    Dr. Georg Fahrenschon, MdB CDU/CSU, Mitglied Finanzausschuss
    Tajudeen Abdul-Raheem, Koordinator UN-Millenniumskampagne Afrika
    Dr. Renée Ernst, Koordinatorin der UN-Millenniumskampagne Deutschland
    Leo Schwarz, Präsident der Europäischen Kommission „Justitia et Pax“
    und mit 😉 Jonathan Mack, UN-Jugenddelegierter

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Das Engagement aller Teilnehmer zeigte sich in den wirklich starken Forderungen und in einer tollen Diskussionsrunde. Gegen 19 Uhr übergaben wir die Forderungen auf großen, weißen Bannern an knapp 200 Bonner Skater, welche die Banner auf den Bonner Marktplatz transportierten. Auf dem „White-Band-Night“ Konzert auf dem Marktplatz schaffte es eine brasilianische Band die über 350 Zuschauer zum Samba-Tanzen zu bewegen! Das ließen wir uns nach einem so langen Arbeitstag nicht entgehen! Dort konnten einige Jugendliche die Forderungen öffentlich präsentieren.

„Europa darf sich nicht über die Migrationsbewegungen aus Afrika wundern. Durch die europäischen Agrarsubventionen, die Fischereiabkommen etc. verursachen wir erst diese Prozesse.“ (Dr. Frithjof Schmidt, MEP Bündnis 90/Die Grünen)

Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul konnte zwar nicht selbst dabei sein, lädt jedoch eine Delegation zum Gespräch ins Ministerium ein. Zudem hoffe ich, dass die beim Youth Hearing anwesenden Teilnehmer des Junior 8 Gipfels, Mut beweisen und kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn sie sich in Wismar und Heiligendamm mit den G8 Staats- und Regierungschefs treffen!

Hier findest du demnächst die Forderungen des Youth Hearing G8.

„Ich könnte mindestens 15 bis 20 afrikanische Länder aufzählen, die keine Entwicklungshilfe brauchen. Was sie brauchen ist ein fairer Zugang zum Weltmarkt, ein Ende der europäischen Agrarsubventionen und die Chance sich selbst zu helfen.“ (Tajudeen Abdul-Raheem, Koordinator der UN-Millenniumskampagne Afrika)

Weiterführende Links:
Zum Presseartikel im General Anzeiger Bonn gehts hier!
UNESCO-Kampagne „Education for all“
UN Millennium Development Goals, bzw. Millenniumentwicklungszielen (deutsch).

Bericht von Jonathan