Nichts zu melden? Mitwirkung mit Wirkung – denn Deine Stimme zählt!

 

ICE Stuttgart – Bonn, 13.03.2007, 6:51 Uhr: Halb schlafend springen Marah und ich gerade noch rechtzeitig in unseren Zug auf dem Weg zum Familien- und Jugendministerium in Bonn. Unterm Arm haben wir frisch gedruckte Exemplare zweier bekannter Hauptstadtzeitungen – Hauptstadt des schwäbischen Ländle, versteht sich.

„Jugendliche sollen weltweit eine Stimme bekommen“ (Stuttgarter Zeitung am 13.03.07) und „Motto: Mitmischen und sich beteiligen“ (Stuttgarter Nachrichten am 13.03.07) steht da dick und fett geschrieben. Zum Glück sehen wir auf den Bildern nicht ganz so schlaftrunken aus wie jetzt. „Partizipation: Beteiligung, Einmischen, Mitmischen“ wird Marah von dem Journalisten zitiert. Etwas Stolz und Mut erfasste uns über den gestrigen Tag.

50 Stuttgarter Jugendliche kamen am Montag, 12.03. ins Stuttgarter Rathaus, um mit uns zu diskutieren und uns ihre Forderungen und Wünsche mit auf den Weg zu geben. Viele Schüler aus Realschulen und Gymnasien, einige Stuttgarter Jugendräte und bei Pfadfindern und anderen Vereinen engagierte Jugendliche füllten den Sitzungssaal im Rathaus. Trotz Mikrofonen und einer sehr offiziellen Atmosphäre ließ sich niemand einschüchtern, vor der Gruppe zu reden und Fragen zu stellen. Wir waren überrascht, wie aufmerksam und interessiert alle unserer Präsentation folgten: Wer sind wir? Was machen wir überhaupt? Wie wurden wir Jugenddelegierte? Was haben die Vereinten Nationen mit Stuttgart zu tun? Was macht die Jugendpartizipation bei den Vereinten Nationen so wichtig und besonders?
In der Zeitung lese ich später meine Worte: „Ich möchte den Jugendlichen zeigen, dass wir uns dafür einsetzen sollten, Verantwortung tragen zu dürfen und dies dann auch als Verpflichtung ansehen“.

stuttgartFoto: Michael Steinert – Stuttgarter Zeitung

„Nichts zu sagen? Mitwirkung mit Wirkung – denn Deine Stimme zählt!“, hatten unsere Stuttgarter Veranstalter vom Club of Hohenheim und von DMUN diese Veranstaltung über Jugend und Partizipation genannt. Darum ging es uns allen an diesem Tag. Partizipation ist mehr als nur Demokratie üben und lernen, bis man mit 18 Jahren zur Wahl gehen kann. Der Schriftsteller Max Frisch meinte: „Demokratie heißt, sich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen“. Demokratie als Recht und Demokratie als Pflicht und Verantwortung für uns alle. Jugendpartizipation kann, soll und muss stattfinden, nicht nur bei den Vereinten Nationen, sondern auch bei uns vor Ort.

Tolle Beispiele, wie Jugendpartizipation aussehen kann, hörten wir am Vormittag. Susanne Krieg, Beirätin im Dachverband der Jugendgemeinderäte in Baden-Württemberg, stellte vor, wie Jugendliche als Jugendgemeinderäte in der Lokalpolitik ihre Interessen vertreten, leider im Augenblick fast nur in Baden-Württemberg. Christoph und die beiden weiteren Stuttgarter Jugendräte Lino und Steven erklärten uns in einem Vortrag und Gesprächen den ganzen Tag über, wie sie in Stuttgart arbeiten. Für ihre Forderung nach einem Sitz im Gemeinderat mit Antrags-, Rede- und Stimmrecht müssen auch sie noch kämpfen. „Die Jugendräte könnten ja reine Einzelinteressen vertreten! Wenn Jugendliche einen Sitz wollen, kommen ja alle anderen gesellschaftlichen Gruppen auch!“ Das erinnert mich sehr an unsere Arbeit als Jugenddelegierte bei den Vereinten Nationen. Zum Glück hat die UN – Generalversammlung anerkannt und dies in seinen Resolutionen, sozusagen seinen Gesetzen, festgeschrieben, dass Jugendliche besonders einbezogen werden müssen. 24 Jahre später gibt es nun endlich Jugenddelegierte in Deutschland. Wolfgang Berger von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg beschreibt die Beteiligungsrechte und Möglichkeiten von uns Jugendlichen und gibt selbst wissenschaftliche Beispiele, warum Jugendpartizipation nötig und sinnvoll ist.

In Arbeitskreisen lernten wir uns alle kennen, erzählten von unseren Erfahrungen, Bedürfnissen und Wünschen. In drei Gruppen diskutierten wir über die Themen:
-Möglichkeiten und Situation der politischen Partizipation von jungen Menschen
-Chancen und Probleme für die Partizipation von Mädchen und Frauen
-Partizipation in anderen Ländern der Welt
Bei so viel Interesse, Motivation und politischem Engagement von Jugendlichen kann man wohl kaum von Politikverdrossenheit sprechen. Aus meiner Erfahrung als Jugendgruppenleiter hat es mich natürlich nicht erstaunt, wie fähig die Jugendlichen waren, die Situation und Bedürfnisse von sich und ebenfalls von anderen Jugendlichen zu erkennen und auszudrücken. Die gesammelten Forderungen möchten wir euch auf der folgenden Seite vorstellen. Hier >>

Zum Abschluss stellten alle Gruppen ihre Ergebnisse im Sitzungssaal vor und diskutierten die Ergebnisse. Voller Dank und mit viel Mut für die kommenden Tourstationen konnten wir schließlich die Forderungen entgegennehmen, die wir mit nach New York nehmen werden.

Ein großes Dankeschön für diesen erfolgreichen Deutschlandtour-Auftakt geht an die Organisatorinnen und Organisatoren vom „club of hohenheim“ und von DMUN: Stefan, Maren, Regina und Lars, sowie die Moderatorinnen und Moderatoren Sabine, Patrick und Katherina.