Tourstation Freiburg

 

Freiburg ist die sonnigste Stadt Deutschlands und hat eine sehenswerte Innenstadt mit Münster (damit verwirren die Freiburger gern, gemeint ist nicht die Stadt, sondern die Kirche) zu bieten. Soviel lernten wir bereits am ersten Abend unseres Besuches.

Die folgenden zwei Tage beschäftigte uns zusammen mit rund 25 Jugendlichen die Frage „Alles Globalisierung?“. Die von der Hochschulgruppe ForUN Freiburg organisierte Tourstation fand freitags im Jugendzentrum und samstags in Räumen der Universität statt.

Für den Freitag hatten sich die Organisatoren etwas Neues einfallen lassen. Nicht in Workshops, sondern in Ateliers zu verschiedenen Aspekten des Themas Globalisierung sollten Jugendliche an das Thema herangeführt werden und sehen, dass Globalisierung alle betrifft. Schon beim kurzen Klamotten-Check zu Beginn der Veranstaltung wurde das deutlich: Unsere Hosen kommen aus Taiwan, die T-Shirts aus China oder Italien, die Schuhe aus Marokko oder Indien. Globalisierung geht uns alle direkt an. Auch in den anderen Ateliers gab es Spannendes zu erleben. Der Welt-Laden Freiburg vermittelte auf spielerische Art und Weise, wie ungleich Bevölkerung und Einkommen auf der Welt verteilt sind. Außerdem konnte der Weg einer Kakaobohne bis zur Schokolade nachverfolgt werden. Danach stellte sich die neugegründete Aktion Völkerrecht Freiburg vor, die einen Teil des Schutzwalles für das Völkerrecht aufgebaut hatte. In weiteren Ateliers ging es um die Themen Migration und Kinderarbeit. Leider kamen zu diesem wirklich hervorragend geplanten Workshop keine Jugendlichen. Die vielen Stunden Werbung in Jugendorganisationen und Jugendzentren brachte nicht die erhofften Teilnehmer. Freibad und Wochenende waren wohl zu verlockend, so dass wir die Ateliers kurzerhand zusammen mit den anwesenden Jugendlichen aus Organisationsteam und Ateliers selbst durchgingen.

Am Samstag dann fanden sich über 25 Schüler und Studenten im Petershof der Uni Freiburg ein, um zum Thema „Alles Globalisierung?“ zu diskutieren. Den Einstieg ins Thema gab Rüdiger Stegemann von Attac. Er machte deutlich, dass Globalisierung keine neue Entwicklung sei – schon die alten Griechen und Römer hätten durch ihre Weltreiche die Globalisierung von Wirtschaft und Kultur vorangetrieben, und auch die Tätigkeit von Missionaren in aller Welt sei prinzipiell nichts anderes als die Globalisierung des christlichen Glaubens gewesen. Herr Stegemann, der selber an mehreren UNO-Konferenzen zu Themen wie Handel und Entwicklung oder Landwirtschaft teilgenommen hat, berichtete zum Beispiel, dass nur fünf bis zehn Prozent der internationalen Finanztransfers dem Handel dienten, der Rest sei rein spekulativer Natur. Hier setzt die Idee einer internationalen Spekulationssteuer, die auch Attac unterstützt, an, die Entwicklungsausgaben finanzieren könnte. Des Weiteren erklärte Stegemann drei Hauptmerkmale des Neoliberalismus, auf denen die heutige Form der Globalisierung beruhe. Diese seien die Kommerzialisierung, dass alles als Wirtschaftsgut betrachtet werde, die Privatisierung öffentlicher Güter wie beispielsweise der Wasserversorgung, sowie die sogenannte Kommodifizierung, dass alles zur Ware werde. Er machte deutlich, dass Freihandel alleine nicht die Grundbedürfnisse der Menschen befriedigen könne. So gebe es in zahlreichen Entwicklungsländern zwar in vielen Dörfern einen Laden, der Cola verkaufe, aber keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Anschließend erläuterte er uns noch die Entstehungsgeschichte und Ziele von Attac.

Da Vertreter der Freiburger Wirtschaft kein Interesse daran hatten, der Einladung zur Veranstaltung zu folgen um eine gegensätzliche Position zu vertreten, teilten wir uns nach der eher kritischen Einleitung direkt in drei Arbeitsgruppen für die weitere Diskussion. Diese beschäftigten sich mit der Produktion von Lebensmitteln und Kleidungsstücken, den Folgen von Migration sowie kulturellen Dimensionen der Globalisierung. Nach einer ersten Phase, in der Ideen gesammelt wurden, gingen wir zum gemeinsamen Mittagessen in die Mensa und machten es uns dort im Schatten der Bäume gemütlich. Danach diskutierten die Jugendlichen weiter angeregt und kontrovers über die verschiedenen Aspekte der Globalisierung und stellten ihre Forderungen auf. Wichtig war den Teilnehmern, dass Verbraucher hier in Deutschland und den Industrieländern eine große Verantwortung haben und bewusst einkaufen sollten. Denn so haben sie die Möglichkeit, Globalisierung mit zu gestalten und zu besseren Arbeits- und Lebensbedingungen in Entwicklungsländern beizutragen. In der abschließenden Ergebnispräsentation kam dies deutlich zum Ausdruck.

Die Feedbackrunde am Ende der Veranstaltungen zeigte, dass die Jugendlichen durchweg zufrieden mit dem Ablauf der Veranstaltung waren. Sie begrüßten die Möglichkeit, die UNO durch die Jugenddelegierten hautnah kennen zu lernen und ausgiebig über Globalisierung zu diskutieren.