Tourstation Heidelberg

 

Gerne folgten wir der Einladung des Schülerfriedensbüros, am 19. und 20. Mai auf unserem Weg durch Deutschland als dritten Tourstopp in Heidelberg Halt zu machen. So lernten wir ungefähr 30 Schüler im Alter von 15-22 Jahren aus verschiedenen Schulen kennen. Zu Beginn der Veranstaltung am Freitag stellten wir uns und das Jugenddelegierten-Projekt zunächst vor, anschließend übergaben wir das Wort an die von den Schülern eingeladene Referentin Marie Ganier-Raymond. Marie brachte den Teilnehmern in einem spannenden Vortrag über die Vereinten Nationen (UNO) und die Menschenrechte auf sehr anschauliche Art und Weise das komplizierte System der UNO näher. Sie holte die Schüler und uns von den Sitzen und zeigte durch ein aktives Rollenspiel, was eine Resolution leisten kann und was nicht. Am Beispiel der Menschenrechte und insbesondere der Frauenrechte erklärte sie, wie lange es dauern kann, bis bei der UNO etwas entschieden wird. Sie verdeutlichte Möglichkeiten sich als junger Mensch im internationalen Geschehen einzubringen und verwies zum Beispiel auf die Mitarbeit in einer Nicht-Regierungsorganisation. Geradezu aufmunternd erklärte sie, dass die Teilnehmer eben auch durch die Unterstützung der Jugenddelegierten eine großartige Chance hätten sich einzubringen!

Das taten die Jugendlichen dann auch, sie brachten sich tatkräftig und lautstark ein, indem sie uns am Samstag mit ihren Forderungen ausstatteten. In zwei Arbeitsgruppen wurde lebhaft diskutiert. Eine Gruppe beschäftigte sich mit der Lage von Mädchen und jungen Frauen in Deutschland und weltweit. Die Teilnehmer berührten in ihrer Diskussion mehrere Punkte, so zum Beispiel die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau. Als besonders brisant erwies sich das Gespräch zum Thema sexueller Missbrauch.

Die zweite Gruppe beschäftigte sich mit dem komplizierten Thema „Humanitäre Interventionen“. Dabei wurde die Forderung erhoben, dass eine Intervention ein Eingriff in die Souveränität eines Staates ist und nur durch ein Mandat der UNO legitimiert werden kann. Des Weiteren wurde deutlich, dass die Jugendlichen einhellig der Meinung sind, dass sich die Staatengemeinschaft nach der Trennung der sich bekämpfenden Parteien durch eine humanitäre Intervention nicht aus der Verantwortung ziehen darf. Die eigentliche Arbeit eines solchen Einsatzes kommt erst nach dem militärischen Teil und ist viel langwieriger und umfangreicher.

Zum Abschluss der Veranstaltung nutzen die Jugendlichen die Versammlung in der Großgruppe um uns zwei dringende Bitten mit auf den Weg geben: Jugendliche wollen in einer friedlichen Welt leben. Deswegen muss das Völkerrecht gewahrt bleiben und gestärkt werden, illegale Angriffskriege dürfen nicht „durch die Hintertüre“ durch Gewohnheitsrecht ins Völkerrecht Einzug finden. Deshalb fordern die Jugendlichen auch ganz konkret die Einhaltung und Umsetzung des Atomwaffensperrvertrages, da die Existenz von Atomwaffen Staaten eine Begründung geben kann, einen solchen Angriffskrieg und damit einen Bruch des Völkerrechts zu begehen. Hierin sehen die Jugendlichen eine große Gefahr. Sie forderten uns auf, zusammen mit anderen Jugenddelegierten für sie Stellung zu beziehen und den Diplomaten in New York deutlich zu machen, dass Jugendliche eine friedliche Welt wollen.
Die Veranstaltung in Heidelberg war wieder ein voller Erfolg. Die Jugendlichen nutzten in den Pausen die Möglichkeit, mit uns zu reden und uns ihre Bedenken und Wünsche mitzuteilen. Die Atmosphäre war sehr gut und die Teilnehmer hatten durchweg viel Spaß. Am wichtigsten jedoch war es, dass sie uns ihre Anliegen nahe bringen konnten, die wir nun weitertragen werden.

Im Anschluss an die Veranstaltung besuchten wir das Büro der Aktion Völkerrecht, einer Initiative verschiedener Schüler Heidelbergs. Wir freuten uns über die Aufforderung, zwei der Bausteine für den mittlerweile knapp 400 Meter langen Schutzwall für das Völkerrecht zu unterschreiben. Gerne unterstützen wir eine so tolle Initiative engagierter junger Menschen und vor allem ihre Ziele.