Tourstation Stuttgart

 

Trotz Fußball-Weltmeisterschaft und hochsommerlichen Temperaturen fanden rund 45 Jugendliche den Weg in die Universitätsbibliothek Stuttgart. Dort veranstaltete der Club of Hohenheim zusammen mit der UN-Hochschulgruppe Tübingen eine Tourstation zum Thema „Jugend und Bewaffnete Konflikte“.

Um den Einstieg in das doch recht abstrakte Thema zu erleichtern hatten die Organisatoren zwei Referenten eingeladen. Zuerst berichtete Nora Braun, eine Doktorandin aus Tübingen, über die Situation im Bürgerkriegsland Kolumbien. Sie spickte ihren ausführlichen Bericht mit Bildern und persönlichen Erfahrungen, die sie während eines einjährigen Aufenthaltes in Kolumbien als humanitäre Helferin gesammelt hatte. Anschließend ging es weiter mit persönlichen Erfahrungen: Fritz Ritzmann, ehemaliger Entwicklungshelfer in Ruanda, erzählte von seiner Arbeit zehn Jahre nach Ende des Völkermordes, dem über 800.000 Menschen zum Opfer gefallen waren. Anschaulich beschrieb er, wie das Land durch den grausamen Völkermord in Täter und Opfer gespalten wurde und wie stark diese Trennung auch heute noch das Leben der Menschen prägt.

Anschließend sahen wir den Film „Lost Children“, der das Schicksal vier Jugendlicher in Uganda beschreibt. Allen gemeinsam ist, dass sie als Kinder entführt und zu einem Leben als Kindersoldaten gezwungen wurden. Durch ihre Erlebnisse leiden sie nicht nur an schweren körperlichen sondern auch an schweren seelischen Folgen. Der packende Film ging allen wirklich nahe – nach Ende des Films war es völlig still, kein Stühle Rücken oder Räuspern war zu hören.

Zur Mittagspause nutzen die Jugendlichen die Chance uns beim Pizza Essen über das Projekt und unseren New York-Aufenthalt auszuquetschen. Leider mussten wir sie dabei gleich mehrmals enttäuschen – wir werden weder in einem teuren Hotel übernachten noch in einer Luxuslimousine mit Chauffeur New York durchqueren … Aber wir konnten natürlich auch Positives berichten von den Möglichkeiten, die man auch ohne solche Annehmlichkeiten als Jugenddelegierter bei der Generalversammlung hat.

Danach ging es in vier Arbeitsgruppen um die Themen:

  • „Ursachen von Konflikten und Konfliktprävention“
  • „Schutz von Kindern und Jugendlichen in Konflikten“
  • „Nach dem Konflikt: Zurück in ein normales Leben?“
  • „Gewalt und Konflikte in Deutschland“

In den Arbeitsgruppen wurde trotz der schwülen Hitze, die sich langsam auch im Saal breit machte, konstruktiv gearbeitet. So erstellten die ersten drei Gruppen umfangreiche Forderungskataloge, wie Konflikte in Zukunft besser verhindert werden können. Zentraler Punkt darin ist die Gewährleistung der Menschenrechte und deren Kontrolle durch die Staaten. Nach Beendigung eines Konfliktes ist es wichtig, dass in dem betroffenen Land Recht und Ordnung wieder hergestellt werden. Insbesondere für Jugendliche müssen Bildungsangebote bereitgestellt werden, damit ihnen andere Perspektiven als Krieg und Kämpfen eröffnet werden. Dafür sollen betroffene Staaten, Industrieländer und UNO zusammenarbeiten. Dass es auch in Deutschland Gewalt und Konflikt gibt, zeigte die lebhafte Diskussion rund um Gewalt in Familien und Gewalt von bzw. an Ausländern.

Nach der Vorstellung der Ergebnisse im Plenum löste sich die Gruppe zwar schnell auf, da der Fußball lockte, aber dennoch gingen alle mit dem guten Gefühl nach Hause, etwas gelernt zu haben und vielleicht sogar einen Beitrag dazu geleistet zu haben, Anstöße für eine bessere Welt zu geben.