Tourstation Trier

 

Die zweite Tourstation der Deutschlandtour 2006 führte uns nach Trier.

Dort trafen wir knapp 70 Jugendliche, die uns ihre Meinungen und Forderungen zum Thema Hunger und Armut weitergaben. Donnerstag diskutierten wir mit fast 50 Schülern aus ortsansässigen Haupt- und Realschulen als auch Gymnasien im Ex-Haus, einem bekannten Trierer Jugendhaus. Zum Auftakt der Veranstaltung gab der Leiter der Caritas AG „Gegen Armut“, Herr Schäfer, einen Überblick zum Thema. Anschließend arbeiteten die Schüler unter Anleitung verschiedener Moderatoren in fünf Arbeitsgruppen. Sie diskutierten ausgiebig unterschiedliche Gesichter von Armut, wie sie sich den Jugendlichen in Deutschland zeigen. Dabei kamen ganz unterschiedliche Punkte zur Sprache, angefangen von materiellen Folgen von Armut bis hin zu daraus resultierenderen Formen gesellschaftlicher Ausgrenzung. Ebenso bewegte die jungen Trierer der Zusammenhang zwischen Drogen oder frühen Schwangerschaften und dem Risiko arm zu werden. Einig waren sie sich, dass Armut auch aufgrund fehlender Zuneigung oder sozialer Kontakte Menschen beeinträchtigen könne.

Die Schüler nutzten die Gelegenheit ausgiebig, ihr Meinungen weiterzugeben. Und wie es bei der Deutschlandtour sein sollte – nicht nur wir Jugenddelegierte profitierten von dem regen Austausch, sondern auch die Jugendlichen selbst. Es war eindeutig zu merken, dass viele von ihnen im Laufe der Diskussionen begannen bestimmte Punkte plötzlich mit anderen Augen zu sehen. Und das nicht nur im Bezug auf Armut, was Armut ist und wie sie sich auswirken kann. Sondern unter anderem auch in Bezug auf Ehrenamt und dessen Rolle, wenn es um Sozialarbeit z.B. in Problemgegenden geht. Die Schüler merkten, wie wichtig die Übernahme von Ehrenämtern, aber auch dessen Anerkennung ist.

Es zeigte sich, dass der partizipatorische Ansatz der Deutschlandtour bei den Jugendlichen sehr gut angenommen wird. Das Argument, Schüler, insbesondere Hauptschüler, seien uninteressiert und hätten keine Meinungen, wurde ganz klar widerlegt. Wenn sie die Chance bekommen und merken, dass ihnen jemand auch wirklich zuhört, dann nutzen sie diese auch.

Für den Nachmittag hatten die Trierer Organisatoren von TriMUN ein Treffen mit einem Sozialarbeiter einer Hauptschule in Trier-West organisiert. Der Ortsteil gilt als einer der sozialen Brennpunkte der Stadt. Herr Detlef de Graaf verdeutlichte den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildung im Viertel: es fällt auf, dass fast 90 Prozent der Grundschüler anschließend auf die einzige weiterführende Schule im Viertel, nämlich die Hauptschule wechseln. Zum Abschluss des Tages trafen wir eine Mitarbeiterin des Quartiermanagments, die uns durch das Viertel führte.

Am Freitag trafen wir ca. 20 Studenten um ihre Meinungen und Forderungen zum Thema „Armut und Hunger“ zu erfahren. Eine Arbeitsgruppe befasste sich mit Armut in Deutschland, eine weitere mit Armut weltweit, mit dem Schwerpunkt auf städtischer Armut in den Slums der Großstädte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Auch hier gab es einen einleitenden Vortrag von Frau Maria Ohlig, der Quartiersmanagerin des sozialen Brennpunktes Trier Nord. Ihre Einführung zeigte interessante Punkte auf, die vielen nicht bewusst waren. So zum Beispiel, dass Jugendliche aus sozialen Brennpunkten oft ihre gewohnte Umgebung nicht verlassen wollen, da sie sich außerhalb dieses sehr gefestigten sozialen Gefüges unsicher fühlten. Zusammen mit dem oft niedrigen Stellenwert von Bildung in den Familien führt dies zu einem Kreislauf der Armut, den viele nicht überwinden können.

An beiden Tagen erfuhren wir nicht nur die Meinungen und Ideen der Jugendlichen, sondern darüber hinaus noch viel über das auch in Deutschland sehr brisante Thema Armut. Und auch die durch die Bank weg zufriedenen Teilnehmer konnten mit einem erweiterten Wissen wieder nach Hause gehen.