Dez 022008
 

Passau, 2. Dezember 2008: Wie ist’s eigentlich um Jugendpartizipation bei der Klimaschutzkonferenz in Poznan bestellt? Jonathan Mack, der UN Jugenddelegierte 2007, hat für die Pfadis nachgefragt: und zwar bei David Wagner, der für die BUNDjugend in Polen dabei ist.

Grüße,
Astrid

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    Jugendliche im Einsatz für ein Kyoto-Nachfolgeabkommen

Bis zur Klimaschutzkonferenz im Dezember 2009 in Kopenhagen muss auf internationaler Ebene ein Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll beschlossen werden, welches über den Handel von Zertifikaten für CO²-Emissionen versucht, den CO²-Ausstoß drastisch zu verringern. Ein wichtiger Meilenstein in dem Verhandlungsmarathon sind die jährlichen „Conferences of the Parties“ (COP, Konferenz der Vertragsparteien), die 2007 in Bali (COP 13), im Dezember 2008 in Poznan in Polen (COP 14) statt fanden. Fast 10 000 Vertreterinnen und Vertreter von Regierungen und Internationalen Organisationen, ExpertInnen und AktivistInnen von Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) kommen bei diesen Verhandlungen zusammen.

Unter den 500 Jugendlichen vor Ort in Poznan waren auch zahlreiche junge Menschen aus Deutschland. David Wagner von der BUNDjugend berichtet im folgenden Interview über ihre Aktionen, ihre inhaltlichen Ziele und warum sie sich überhaupt dafür engagieren.

Jonathan: Wer engagiert sich mit dir gemeinsam in Poznan?
David: Wird sind fast 50 junge Leute aus 20 Ländern aus ganz Europa, davon auch 7 bis 8 aus Deutschland. Wir haben uns nach der YouPEC (Youth Perspective on Energy and Climate) 2007 in Berlin als Netzwerk “Young Friends of the Earth��? zusammengeschlossen, in welchem die BUNDjugend Mitglied ist, und engagieren uns als europäisches Jugendnetzwerk in diesen beiden Jahren für das Klimaschutzabkommen unter dem Motto „Countdown to Poz ’n‘ Hagen“, die europaweite Klimatour.

Jonathan: Wie habt ihr euch für die Arbeit in Poznan vorbereitet?
David: Im September 2008 sind wir zum Europäischen Sozialforum nach Malmö gefahren. In dem einwöchigen Camp auf einem Ökobauernhof bekamen wir eine Einführung in die Geschichte der internationalen Abkommen, in die Verhandlungen und Einflussmöglichkeiten und wir haben Aktionsformen geprobt. Direkt vor der Konferenz fand in Berlin ein weiteres Vorbereitungs- und Aktionstreffen statt, sowie auch eine Jugendkonferenz in Poznan mit etwa 200 Jugendlichen aus aller Welt.

Jonathan: Wie sieht eure Arbeit konkret vor Ort aus?
David: Wir haben verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, unter anderem ein Medienteam, ein Aktionsteam und eine Policy-Gruppe. Das Medienteam dokumentiert mit Videos, welche mit vielen anderen Informationen auf Blogs und Online-Plattformen gestellt werden, sie schreiben Presse-Mitteilungen und organisieren eine Pressekonferenz als „europäische Jugend“. Das Aktionsteam versucht mit kreativ-spektakulären Aktionen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Konferenz zu lenken und den Verhandelnden die Forderungen von jungen Menschen bewusst zu machen. Zum Beispiel wollen wir mit einer „Delegierten Schneeballschlacht“ die unterschiedliche Verhandlungsmacht durch die unterschiedlich starken Delegationen deutlich machen, z.B. ist Deutschland mit etwa 80 VertreterInnen, Kamerun mit 1-2 an den Verhandlungen beteiligt. Zudem haben wir über 2000 Stofffetzen mit Botschaften von Jugendlichen aus ganz Europa zu einem Banner zusammengefügt, welches wir auf einer großen Aktion den europäischen Umweltministern übergeben. Und an einem großen Klimaaktionstag gibt es eine Clownsaktion, um den Delegierten zu sagen „Stop Clowning Around“!

Jonathan: Wie arbeitet ihr inhaltlich und was sind eure Forderungen?
David: Eine Policy-Gruppe spezialisiert sich auf die inhaltlichen Verhandlungen. Da wir als NGO (Nicht-Regierungsorganisation) als Beobachter akkreditiert sind, haben wir Zugang zu fast allen (außer den informellen) Verhandlungen.

Wir haben drei zentrale Forderungen:
1. Die drastische Reduktion von Treibhausgasen, vor allem CO²: 40 % bis 2020 in der EU, 100 % bis 2050, da das EU Ziel von 20 % bis 2020 nicht ausreicht, damit die Klimaerwärmung nicht mehr als 2% beträgt.
2. CO² Berechnung: Berechnung soll pro Kopf (max. 2t) erfolgen und nicht pro Staat
3. Klimagerechtigkeit: Industrieländer müssen Verantwortung übernehmen, Unterstützung der Entwicklungsländer durch Technologietransfer, keine Einschränkung des Rechts auf Entwicklung


Jonathan: Was könnt ihr in Poznan erreichen?

David: Sicherlich haben wir kaum einen messbaren Einfluss auf das Abschlussdokument, trotzdem können wir als junge Erwachsene auf die Verhandlungen Einfluss nehmen und mit 500 jungen Leuten auf die Dringlichkeit aufmerksam machen. Wir wollen zeigen: Wir sind da, wir schauen hin und mischen uns vor Ort ein. Wir haben Schwung und Drang, deshalb bleiben wir am Ball bis zur COP 15 in Kopenhagen.

Jonathan: Was motiviert so viele Jugendliche sich für dieses Thema zu engagieren?
David: Viele beschäftigen sich im eigenen Leben mit Umweltschutz, Klimawandel und Konsum. Sie haben viel Eigenmotivation, Energie und den starken Wunsch sich einzumischen und gegen den Klimawandel etwas zu tun. Die COP ist für uns eine völlig neue Erfahrung, aber mit viel Energie und Kreativität können wir etwas beitragen.

Jonathan: Wie soll es nach Poznan weitergehen?
David: Natürlich geht unsere Arbeit danach weiter. MultiplikatorInnen und KoordinatorInnen sollen Aktionen in allen Ländern voran bringen. Es werden internationale Treffen und Trainings stattfinden, sowie vier regionale Konferenzen in Europa und natürlich sind wir im Dezember 2009 bei der COP in Kopenhagen aktiv.

Mehr Infos:
www.youthclimatetour.eu
www.YouPEC.eu
www.bundjugend.de