Sep 162013
 

Foto: Die Junge Werkstatt16.09.2013 – Schule abgebrochen, Lehre hingeschmissen, Schulden aufgetürmt, Probleme angehäuft, Drogen zugelassen, Kriminalität ausgeübt – eine oder mehrere dieser Gründe lassen Jugendliche und junge Erwachsene auf dem regulären Arbeitsmarkt oft alt aussehen. Verlorenes Potenzial – hat sich die Junge Werkstatt gedacht, die in Augsburg als Jugendhilfeeinrichtung und Dienstleistungsbetrieb in einem fungiert.  Um die Perspektivlosigkeit der jungen Arbeitssuchenden zu beenden, bietet die Junge Werkstatt Jugendlichen eine Ausbildung, Arbeit, Bildung und Beratung zugleich. Ob in der Schreinerei, Schlosserei, im Garten- und Landschaftsbau, in einer Schneiderei, in einer Maler- und Lackiererei oder in einer Fahrradwerkstatt – hier bekommen Jugendliche eine neue Chance ihr Leben in den Griff zu bekommen, ganz nach dem Motto „Schule war gestern – Ausbildung ist heute“. Dabei handelt es sich um reguläre handwerkliche Ausbildungen nach der jeweiligen Handwerksordnung mit der Gesellenprüfung als Abschluss. Die Junge Werkstatt leistet mit ihrem Ziel die Jugendlichen beruflich und gesellschaftlich zu (re)integrieren, einen wesentlichen Beitrag zur Abwendung von Armut und zur Prävention von Gewalt und Randgruppendasein.

Im Gespräch mit etwa 15 jungen Azubis im Alter von 16 bis 27 Jahren  konnten wir gemeinsam das deutsche Ausbildungssystem mit all seinen Stärken und Schwächen beleuchten. Eins wurde ganz schnell deutlich. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind sehr zufrieden mit ihrer Ausbildung und identifizieren sich bereits jetzt mit ihrem zukünftigen Beruf. 90% der Azubis bei der Jungen Werkstatt erreichen ihren Abschluss – eine Zahl, die sich sehen lassen kann. Einige von ihnen träumen sogar, mit dem Gesell*innen-Brief in der Tasche, von der eigenen Selbstständigkeit.

Foto: Die Junge Werkstatt

Foto: Die Junge Werkstatt

In der Diskussion drehte es sich im Wesentlichen um die Forderung nach guten Rahmenbedingungen für Ausbildungsverhältnisse und Praktika, um einen besseren Übergang von der Schule in den Beruf und um den Wunsch, dass Politik für junge Menschen konkreter und verständlicher wird.  Im Einzelnen forderten die Jugendlichen gemeinsam:

  1. Praktika und Ausbildungsverhältnisse müssen einen echten Lernzweck beinhalten und anständig bezahlt werden.
  2. Berufsschulen sollten finanziell und materiell besser ausgestattet werden.
  3. Jugendliche, die selbstständig leben wollen und deren Lebensunterhalt kaum gesichert ist, sollen stärker gefördert werden.
  4. Die Anzahl der Schüler*innen pro Klasse sollte verringert werden, um eine individuellere Betreuung und Förderung zu ermöglichen.
  5. Praktische Schulfächer, die sich nah an der Lebenswelt der jungen Menschen orientieren, sollen eingeführt werden und Schulen sollten verstärkt Möglichkeiten für mehr Berufsorientierung schaffen, indem sie beispielweise über einen Schulgarten oder eine Fahrradwerkstatt verfügen.
  6. Politik muss verständlicher und besser kommuniziert werden, damit sich junge Menschen damit wirklich identifizieren können.

Na, nun kann uns bei der UN in New York jede*r nach dem deutschen Ausbildungssystem fragen. Antworten haben wir durch die zahlreichen Beispiele in Augsburg genug erhalten. Dafür herzlichen Dank und all den Azubis drücken wir die Daumen, dass das mit dem Abschluss dann auch bald klappt. Weiter so!

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