Jun 202011
 

Im Rahmen der Internationalen Kulturwoche an der Universität Bayreuth lud die UN Hochschulgruppe Bayreuth am 19.Juni zu einem Workshop zum Thema „Interkulturelles Zusammenleben“ ein. Zwölf Teilnehmer(innen) hatten sich abends in einem Seminarraum der Universität zusammengefunden, um sich zwei Stunden zusammen mit uns darüber Gedanken zu machen, wie die Hürden für ausgegrenzte Gruppen in unserer Gesellschaft abgebaut werden können.

In einem Rollenspiel ließen wir die Studierenden in eine andere Rolle schlüpfen, wie z.B. eines Imbissbudenbesitzers vietnamesischer Herkunft, einer Frau mit Querschnittslähmung oder eines türkischstämmigen Hauptschülers. Sie sollten sich einfühlen in die Lage der jeweiligen Person, insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund, und konnten anhand des Spieles nachvollziehen, wie unterschiedlich die Chancen in unserer Gesellschaft verteilt sind.

Nachfolgend  erzählten wir den Teilnehmer(inne)n vom Int. Jahr der Jugend und stellten eine Passage aus dem Entwurf für das Abschlussdokument vor. In dem Paragraphen werden die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen aufgerufen, Kommunikation, Toleranz, Verständnis und Zusammenarbeit zu fördern. Alle waren sich einig, dass dieser Resolutionstext in dieser Form noch sehr abstrakt ist. Also war die Aufgabe, diese Passage mit Leben zu füllen. In Kleingruppen sammelten die Teilnehmer(innen) ganz konkrete Vorschläge, die die Zivilgesellschaft umsetzen kann, und Forderungen an die Politik, wie diese Ziele erreicht werden könnten.

Forderungen an politische Programme:

  • Intensive kostenfreie Vorbereitungskurse für Einbürgerungstests sind von Nöten
  • Die EU-Koordinierung soll verbessert werden: Kongresse der Familien- und Jugendminister der Mitgliedsstaaten sollen abgehalten werden und die Beschlüsse sollen den Bürger(inne)n leicht zugänglich gemacht werden
  • Im Zuge der Asylbeantragungen muss die Residenzpflichten gelockert werden
  • Die Informationsstruktur für Asylbewerber(innen) und Flüchtlinge soll verbessert werden
  • Möglichkeiten der freiwilligen Integration sollen geschaffen werden, um die Gesellschaft  durch den kulturellen Erfahrungsschatz der Flüchtlinge zu erweitern
  • Sprachförderungsprogramme sollen verpflichtend angeboten werden, jedoch sollen Placementtest und peer-to-peer Angebote die Programme auf die jeweilige Leistung zuschneiden – die Sprachförderung sollte dabei immer gratis angeboten werden
  • Altersunabhängige Teilnahme an Bildungsprogrammen soll für Einwander(inne)n ermöglicht werden
  • Ehrenamtliche, die sich im dem Bereich des interkulturellen Austausches engagieren möchten, sollen über Vermittlungszentralen (Internetplattformen oder örtliche Zentralen) ausreichend Informationen und Angebote für ein nachhaltiges Engagement finden

Forderungen an die Schulen und Bildungseinrichtungen

  • Non-formales und informelles interkulturelles Lernen soll gefördert werden – in Schulklassen sollen ausreichend Lehrer(innen) und Sozialpädagog(inn)en zur Verfügung stehen (max. 20 Schüler(innen) pro Klasse sollen hier zusammen lernen)
  • Internationale Events ( z.B. in Schulen, internationale cooking days oder kulturelle Abende) sollen gefördert werden
  • Verpflichtendes Nachmittagsangebot (kreatives, musikalisches, sportliches, politisches, wissenschaftliches etc. Training soll angeboten werden)
  • Einbettung des Themas „Migration“ und „Interkulturelles Lernen“ in die Lehrpläne (z.B. in Theaterstücke, Einladung von Street Worker an Schulen, aber auch durch entsprechende Lektüre in zugeschnittenen Unterrichtseinheiten)
  • Projektwettbewerbe, die sich mit dem Thema „Migration/Flüchtlinge/Interkulturalität“ beschäftigen sollen initiiertwerden

Vielen Dank an den Organisator der Veranstaltung und für den unvergesslichen Aufenthalt in der Wagner-Stadt Bayreuth!