Sep 192008
 

Mit den Großen der Welt auf Augenhöhe

Leipzig. Für Astrid Schrader und Nicolas Klein beginnt am 30. September eine
spannende Zeit: Drei Wochen New York, eine Rede vor der Generalversammlung der
Vereinten Nationen und ein Treffen mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Das ist
normalerweise nur Diplomaten oder hochrangigen Politikern vorbehalten. Doch die
beiden Studenten sind die deutschen UN-Jugenddelegierten. Sie begleiten als Experten
in Sachen Jugend die deutschen Vertreter nach New York zur UN-Generalversammlung.

„Es ist eine Ehre für uns dabei zu sein“, sagt der 23-jährige Jurastudent aus
Göttingen.

In der Jugendarbeit engagieren sich beide schon länger. Die 22 Jahre alte Studentin
Astrid Schrader, die in Passau Kulturwirtschaft studiert, organisierte für das
Europäische Studierendforum europaweit Konferenzen. Nicolas Klein war ein Jahr mit
der Schüleraustausch Organisation AFS in den USA und betreute danach
Austauschschüler. „Über AFS bin ich dann glücklicherweise auf das
Jugenddelegierten-Programm aufmerksam geworden“, sagt Klein. Auch Schrader erfuhr
eher zufällig davon. Nach einer schriftlichen Bewerbung, Telefoninterview und einem
persönlichen Vorstellungsgespräch im Januar in Berlin, das Rollenspiele und
psychologische Tests vorsah, konnten sich die beiden gegen 50 Mitbewerber
durchsetzen. Sie sind damit die vierten Jugenddelegierten seit dem Start des
Programms 2005, das von dem Deutschen Nationalkomitee für Internationale
Jugendarbeit (DNK) und der der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen
(DGVN) getragen wird.

Im März begann dann ihre „Deutschlandtour“ in Heidelberg, die am 3. September
in Plauen endete: Sie reisten 30 000 Kilometer durch ganz Deutschland, berichteten
auf über 50 Veranstaltungen vor Schülern, Auszubildenen und Wehrpflichtigen von
ihrer Arbeit und der UNO. Sie diskutierten mit ihnen über Aids, Bildung oder
Chancengleichheit und verschafften sich so einen Überblick über Forderungen und
Wünsche. Dabei begegnete ihnen ein Thema besonders häufig: „Ein Großteil der
Jugendlichen hat Zukunftsängste. Auch die, die einen Ausbildungsplatz haben“,
berichtet Schrader. Weitere Probleme beim Thema Arbeit wären Kurzzeitverträge für
Berufsanfänger und die Generation Praktikum.
Ihre achtmünitige Rede wird sich deshalb auch im Schwerpunkt mit dem Thema Arbeitsmarkt und Beschäftigung auseinandersetzen: „Wir fordern zum Beispiel Chancengleichheit auf dem
Bildungsmarkt, Förderung von Initiativen wie Mikrokredite zur Internehmensgründung
und international die gegenseitige Anerkennung von Bildungsabschlüssen“, erklärt
Schrader. Besonders nervös scheinen die beiden vor ihrem Auftritt aber nicht zu
sein, schließlich hatten sie auf ihrer Reise genügend Möglichkeiten zu üben:
„In Oldenburg erfuhr ich kurzfristig, dass ich eine Rede vor 850 Menschen auf
Englisch halten sollte. Ich habe mir dann zwar schnell noch was aufgeschrieben,
letztlich aber dann kein einziges Mal aufs Blatt geguckt“, erzählt Klein.

Neben ihrer Rede wollen sie während der drei Wochen in New York immer wieder bei
den Teilnehmern der Generalsversammlung auf Jugendprobleme aufmerksam machen: „Wir
sitzen in Ausschüssen als Jugendexperten und wollen mit den Jugenddelegierten aus
den Niederlanden ein Treffen organisieren, zu dem Diplomaten eingeladen sind“,
sagt Schrader. Durch ihre Arbeit hoffen sie, dass vielleicht eine Formulierung in
einer Resolution auftaucht, die die Situtation von Jugendlichen verbessert. Dass das
schwierig werden könnte, ist beiden bewusst. „Ich weiß nicht, ob irgendein
Vorschlag von uns in die Resolution kommt, aber es ist ein starkes Zeichen, als
Jugendlicher auf die Versammlung zu fahren und dort mitsprechen zu können“, sagt
Schrader.

Auf ein Highlight ihres Aufenthaltes sind beide besonders gespannt: Das Treffen mit
dem Generalsekretär Ban Ki Moon. 15 Minuten lang werden sie ihn mit anderen
Jugenddelegierten zusammen treffen. „Das ist wahrscheinlich nicht genügend Zeit,
um die Probleme Jugendlicher deutlich zu machen“, vermutet Schrader.
Nach ihrer Reise werden die beiden weiterstudieren, schließlich haben sie ein
Urlaubssemester für ihre Tour durch Deutschland genommen. Ihr Fazit: „Eine
anstrengende, aber auch wahnsinnig spannende Zeit“.

Von Max Holscher.