Okt 242007
 

Mittwoch, 24. Oktober 2007, traumhafter Ausblick auf den Plenarsaal der Generalversammlung:

Wolltest du auch schon immer einmal wissen, wie man in New York den „Tag der Vereinten Nationen“ feiert? Wir waren auch sehr gespannt, aber leider wurden unsere Erwartungen nicht ganz getroffen: kein Feuerwerk und kein nächtelanges Tanzen im Sicherheitsrat. Dafür spielte das Seoul Philharmonic Orchestra Verdi und Brahms und Vertreterinnen und Vertreter aus 192 Staaten lauschten einer Ansprache des Generalsekretärs.

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Den ganzen Tag hatte man das Gefühl, dass alle hier genauso fleißig arbeiten, verhandeln, diskutieren, von einer zur nächsten Sitzung rennen usw. wie an jedem anderen Tag! Überhaupt scheint dieses Gebäude niemals zur Ruhe zu kommen, immerhin wird in endlos vielen Ausschüssen und Sitzungen über Entwaffnung, Finanzierung der Entwicklungshilfe, Peacekeeping, soziale Themen etc. diskutiert. In der Mittagspause gönnt man sich nicht einfach entspannt ein Essen in der wirklich guten UN-Mensa, sondern rennt auf ein Side Event (wie es auch wir Jugenddelegierte im Deutschen Haus organisiert haben), wo ein neuer Bericht vorgestellt, oder ein bestimmtes Thema diskutiert wird. Am Abend gibt es Empfänge und nachts gehen die e-mails raus an die eigenen Hauptstädte, um Weisungen und Positionen für die Verhandlungen am nächsten Tag einzuholen.

Ich darf Ihnen heute zum 62. Geburtstag der Vereinten Nationen gratulieren. Lassen Sie mich die Gelegenheit nützen, diejenigen von Ihnen zu würdigen, die konstant mit unermüdlicher Hingabe und Leidenschaft für den Weltfrieden und Harmonie gearbeitet haben.

    so die Ansprache des Bürgermeisters von Seoul, Oh Se-hoon.


Man muss verstehen, dass die Vereinten Nationen sich kaum selbst loben. Auch der Generalsekretär steht nur in Diensten der Mitgliedsstaaten. Manchmal kann das auch durchaus frustrierend sein. Während hier in diesen heiligen Hallen über Gesundheitsthemen und Klimawandel diskutiert wird, kann man keineswegs erwarten, dass dieses Gebäude selbst ein Vorzeigeobjekt wäre. Von Solarzellen auf dem Dach ist man noch weit entfernt (man müsste erst einmal das Gebäude im Schuss halten) und in der Delegiertenlounge darf selbst geraucht werden. Rauchen in einem öffentlichen, geschlossenen Raum in den USA? Stopp, New York ja, USA nein! Die Gebäude der Vereinten Nationen ist internationales Territorium, sprich alle Länder müssen gemeinsam Regeln für diesen Ort schaffen. Kofi Annan konnte zwar nette Schilder aufhängen lassen, aber durchgesetzt ist es damit längst nicht! Wenigstens zieht es durch die Fenster so rein, dass man den Rauch nicht ganz abbekommt!

Gefeiert werden muss trotzdem, auch wenn es sehr ruhig und bodenständig zugeht!

Die Welt verändert sich zu Gunsten der Vereinten Nationen, da mehr Menschen und Regierungen verstehen, dass Multilateralismus (Entscheidungen werden von allen Ländern gemeinsam getroffen) der einzige Weg ist in unserer von einander abhängigen, globalisierten Welt. Globale Probleme fordern globale Lösungen, Alleingänge sind keine wirkliche Option. Egal ob wir von Frieden und Sicherheit, Entwicklung oder Menschenrechte sprechen, die Anforderungen an die Vereinten Nationen werden jeden Tag größer!

Nach Reden des UNO-Generalsekretärs Ban Ki-Moon und des Präsidenten der UNO-Generalversammlung, Srgjan Kerim, präsentierte des südkoreanische Seoul Philharmonic Orchestra ein tolles klassisches Musikprogramm mit Stücken von Verdi, Brahms und Puccini. Gefeiert werden sollte mit Musik, denn es gibt wohl kaum eine universalere Sprache in der Welt als Musik. Musik berührt, Musik verbindet, Musik schafft Verständigung.

Deshalb ist es so wichtig den Tag der Vereinten Nationen zu feiern. Es ist eine Möglichkeit sich daran zu erinnern, warum unsere Organisation gegründet wurde, und um die Ziele zu bekräftigen, für die wir kämpfen. Es bietet die Chance ein besseres Verständnis für die UNO zu entwickeln – was sie ist, was sie macht und was sie machen kann.

    UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon.

Nach dem Konzert ging es noch weiter ins Deutsche Haus, wo sich viele PraktikantInnen aus der ganzen Welt getroffen haben.

Jonathan