Apr 172016
 

„Lost Generations“ – Children and 24850983641_d517a04011_oYouth in Refugee Crises – So lautete der Titel, den Carina und Alexander ihrem eigens veranstalteten Side Event der Sozialentwicklungskommission gaben. Thema war die Situation von Kindern und Jugendlichen in der Flüchtlingskrise, der sogenannten „Lost Generations“. Im Gespräch sollten Möglichkeiten zu ihrem Schutz und ihrer Förderung besprochen werden. Auf dem Podium saß Manar Marouf, eine syrische Akademikerin, Mario Russell, ein amerikanischer Menschenrechtsvertreter und Anwalt sowie Michelle Cervantes, eine Mitarbeiterin des UNHCR im UN-Hauptquartier.

140 Besucher*innen füllten das komplette Auditorium der Ständigen Vertretung Deutschlands. Sie kamen aus dem UN-System, von den verschiedenen Vertretungen und aus der amerikanischen Zivilgesellschaft. Getwittert wurde zu dem Hastag #HumanSide16. Mit einer interaktiven „Twitter-Wall“ konnte das Publikum Anstöße zur Diskussion einbringen.24850980611_b584af2561_o

Die Eröffnungsrede hielt Reinhard Krapp, Leiter der Wirtschaftsabteilung der deutschen UN-Vertretung. Er betonte, da es sich um ein Problem globaler Natur handle, benötigten wir auch eine globale Lastenverteilung. Vor allem jene Länder, die die größten Flüchtlingsmassen aufgenommen haben, wie die Türkei, Jordanien und der Libanon, bräuchten unsere Unterstützung.

Carina erklärte in ihrer Ansprache, den Hintergrund des Side Events. Schließlich vertritt sie gemeinsam mit Alexander nicht nur Deutsche, sondern vielmehr die gesamte Jugend, die in Deutschland lebt – also auch Flüchlinge. Um ihre Situation zu verbessern, seien die Vereinten Nationen von zentraler Bedeutung, wie Alexander in seiner Ansprache sagte.

Manar Marouf begann mit einem Zitat: „No one leaves home, unless home is the mouth of a shark”. Sie selbst lebte und studierte in Syrien, arbeitet nun in New York für das International Rescue Committee. Ihrer Meinung nach verlässt niemand leichtfertig sein zu Hause. Es brauche einen „turning point“,  an dem man entweder vor der Wahl stehe, das Land zu verlassen oder sich an der Gewalt zu beteiligen. Gerade Kinder und Jugendliche seien am verletzlichsten. Sie hätten keine Entscheidungsgewalt, sondern folgten ihren Familien. Sie verbrächten teilweise Jahre in Flüchtlingslagern, ohne Beschäftigung, ohne Bildung. Diejenigen die in den Krisengebieten bleiben, seien durch Alternativlosigkeit und Verzweiflung noch mehr gefährdet, sich bewaffneten oder extremistischen Gruppen anzuschließen. Die einzige Lösung: den Krieg  zu beenden. Sie riet Deutschland davon ab, weitere Truppen nach Syrien zu schicken, da dies nur zu einer weiteren Radikalisierung und einer Verschärfung der Situation führen würde.

Mario R24576682489_52fa316f08_oussell stellte zunächst die Arbeit der Catholic Charities Division for Immigrant and Refugee Services vor. Diese würde nach dem Staat die größte Unterstützung für Flüchtlinge leisten. Jedes Jahr kämen etwa 70.000 Flüchtlingskinder und -jugendliche in die USA, vorwiegend aus dem „Northern Triangle“, Guatemala, Honduras und El Salvador. Diese jungen Menschen litten oft unter traumatischen Erfahrungen von Gewalt und Morden, die zu PTSD oder Drogenmissbrauch führen könnten. Zwei von drei Mädchen hätten entweder in ihrem Herkunftsland oder auf der Flucht sexuellen Missbrauch erfahren. Die große Herausforderung sei es, mit diesen Problemen richtig umzugehen und zu vermeiden, dass die Kinder und Jugendliche auf die schiefe Bahn geraten, sich beispielsweise Banden anschließen. Durch die Hilfe von Catholic Charities würden diese Kinder lernen über ihre Probleme zu sprechen.

Michelle Cervantes vom UNHCR brachte allen Anwesenden noch einmal deutlich vor Augen, dass  die UN-Organisation vor allem von freiwilligen Spenden abhängig sei, da ihr Anteil des VN-Budgets lediglich zwei Prozent beträgt. Problematisch sieht sie die Lage in Syrien, Afghanistan und Somalia. An diesen Landesgrenzen kämen Menschen an, die nichts mehr besäßen und die Zustände in den Lagern seien teilweise bedenklich. Politische Lösungen seien ein Muss, vor allem aber solle die Jugend weltweit sich an der Lösungsfindung beteiligen. Drängend sei vor allem die Frage, wie der Zugang zu Bildung unter schwierigen Umständen gewährleistet werden könne.

Aus dem Publikum meldete sich eine junge Vertreterin der somalischen UN-Vertretung zur Bedeutung sozialer Netzwerke. Diese würden von extremistischen Gruppen zur Rekrutierung missbraucht werden. Umso wichtiger sei es, dass die Jugend weltweit Worte der Unterstützung verbreite, um den Hassreden im Internet entgegenzuwirken.

Alle Beteiligten werteten die Veranstaltung als einen vollen Erfolg. Das Format wurde von v24313718714_458933bff8_oielen Teilnehmenden als sehr innovativ wahrgenommen und gab wichtige Denkanstöße. Vor allem der substantielle Gehalt der Diskussion sowie die Relevanz des Themas wurden gelobt. In seinem Abschlussstatement schloss Alexander damit, dass nie vergessen werden dürfe, dass hinter jedem Flüchtling ein Mensch und eine individuelle Geschichte stecke.

Weitere Fotos vom Side Event findet Ihr hier.

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