Sep 112012
 

Heute, am 12. August, möchte 50% der Weltbevölkerung feiern. Denn heute ist ihr Tag – der internationale Tag der Jugend!

Doch obwohl es in letzter Zeit jugendpolitische Fortschritte gegeben hat, bietet der internationale Tag der Jugend aufgrund der aktuellen Situation, in der viele junge Menschen leben, leider keinen Grund zum Feiern.

Partizipation ist in Deutschland oftmals noch eine leere Worthülse, gerne von Politiker*innen benutzt, jedoch kaum mit Leben gefüllt. Ein Großteil der Jugendlichen, die wir während unserer Tour durch Deutschland getroffen haben, möchte sich beteiligen und die Welt, in der Sie leben, mitgestalten. Doch hierzu muss man sie zunächst sprechen lassen. Man muss ihnen zuhören, sie ernst nehmen und vor allem für sie Strukturen schaffen, durch die sie ihre Bedürfnisse artikulieren, aber auch realisieren können. Wir brauchen keine Scheinpartizipation!

In Zeiten der Wirtschaftskrise wird bei der Verteilung von Geldern immer zuerst im sozialen Bereich gekürzt. Dabei sind Investitionen gerade hier von großer Bedeutung. Insbesondere durch den, in Folge des demographischen Wandels, entstandenen Konflikt der Generationengerechtigkeit, lastet auf der heutigen Jugend zusätzlich ein immenser Druck. Oft wird der Schwerpunkt der Diskussion auf die alternde Gesellschaft gelegt. Jedoch  darf nicht vergessen werden, dass die Jugend in Zukunft wieder das Fundament einer funktionierenden Gesellschaft bilden muss. Wir müssen jetzt anfangen, über diese Problematik offen zu diskutieren und Konzepte zu entwicklen,um Generationengerechtigkeit wirklich fair zu gestalten.

Der Blick auf die Jugendarbeitslosigkeit in Europa zeigt, dass auch über Deutschland hinaus Bedarf an einer kritischen Reflexion der bisherigen Jugendpolitik dringend nötig ist. Auch hier lässt sich feststellen, dass die Jugend in Zeiten der Finanzkrise nicht als Hoffnungsträger verstanden wird, sondern vielmehr als Sündenbock, der für die Fehler anderer Generationen herhalten muss. Statt auf junge Menschen zu vertrauen und in ihre Fähigkeiten zu investieren, werden Gelder für formale und non-formale Bildung gekürzt, die stattdessen für die Rettung des Finanzmarkts aufgewendet werden.  Wäre die Jugend ein Investmentgeschäft, dann wäre sie bereits gerettet!                                              Wir sind der Meinung, dass die europäischen Währung auf jeden Fall erhalten bleiben muss. Jedoch darf dabei nicht vergessen werden, dass der europäische Gedanke vor allem im Bewusstsein junger Menschen entsteht. Wir kritisieren daher die momentanen Bemühungen einer kurzfristigen Problemlösung ohne die mittelfristige Schaffung einer europäischen Gemeinschaft im Blick zu haben, auf die wir in Zeiten der Globalisierung ohnehin nicht mehr verzichten können!

Es ist schon heute unerlässlich, die Zusammenarbeit im Rahmen der Weltgemeinschaft zu intensivieren, um globalen Problemen gemeinsam zu begegnen. Die Ungleichheiten, die sich in den letzten Jahrzehnten überall auf der Welt verstärkt haben müssen bekämpft werden. Hierbei reicht es jedoch nicht aus auf internationalen Gipfeltreffen die Lösung der Probleme zu diskutieren, es ist vielmehr nötig, dass jedes Land konkrete Umsetzungsmöglichkeiten realisiert. Die Jugend kann dabei eine Schlüsselfunktion innehaben. Mit dem World Programme on Action for Youth gibt es bereits ein UN-Dokument, welches Umsetzungsmöglichkeiten zur Lösung globaler Probleme mit Fokus auf die Jugend liefert.

Junge Menschen, die im Bewusstsein einer globalen Welt aufwachsen, treten durch gelebtes interkulturelles Handeln Problemen wie beispielsweise Diskriminierung entgegen. Sie sind sich der globalen Folgen ihres Tuns bewusst, und bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen, indem sie zum Beispiel bewusster Einkaufen. Auf unserer gesamten Deutschlandtour haben sich Jugendliche für weitreichende Klimaschutzmaßnahmen ausgesprochen. Trotzdem ist mit Rio+20 ein weiterer Weltklimagipfel an den immensen Erwartungen gescheitert.

Es gibt jedoch auch positive Entwicklungen in der internationalen Jugendpolitik. Ban Ki-Moon hat Anfang des Jahres verkündet, bei seiner Arbeit einen stärkeren Fokus auf die Jugend zu richten. Hierzu soll ein Permanent Forum on Youth eingerichtet sowie die Stelle des Special Advisor on Youth geschaffen werden. Jugend soll in den nächsten fünf Jahren eines der Hauptthemen der UN werden.

Diese positive Entwicklungen geben uns Anlass zur Hoffnung. Wir rufen alle politischen Akteur*innen dazu auf, sich daran zu orientieren und künftige Jugendpolitik zielorientierter und im Dialog mit jungen Menschen zu gestalten. Wir hoffen, dass Politiker*innen den Mut finden, Jugend als Chance für eine bessere Gesellschaft zu begreifen und laden alle Interessierten zu einem offen und kritischen Austausch ein.

 Antworten

Pflichtfeld

Pflichtfeld