Apr 182016
 

Die 54. Sitzung der Sozialentwicklungskommission (SEK) fand vom 3. – 12 Februar 2016 im Hauptsitz der Vereinten12705233_575322419311190_5716257434264984170_n Nationen statt. Wie im letzten Jahr lautete der Themenschwerpunkt „Soziale Entwicklung in der modernen Welt neu denken und stärken.“ Während der Kommission wurde vor allem beratschlagt, wie die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) zur Stärkung sozialer Entwicklung beitragen können.

Im Vorfeld der SEK nahmen wir am 1. und 2. Februar am Jugendforum des Wirtschafts- und Sozialrats (ECOSOC) der Vereinten Nationen teil. Das Forum stand unter dem Leitthema „Youth Taking Action to Implement the 2030 Agenda“. Enttäuschend war jedoch die Interaktion und die Jugendbeteiligung. Trotz Verbesserungsvorschlägen und Input von Seiten der internationalen Jugenddelegierten und anderen Jugendvertreter*innen wurde nur wenig am Format des Forums geändert. Junge Menschen kamen selten zu Wort während Statements von Jugendministern aus aller Welt dominierten. Positionspapiere wurden nicht mit den jungen Menschen ausgearbeitet, sondern vorgefertigt. Auch das Abschlussdokument kam durch einen intransparenten Prozess zustande. Symptomatisch war dafür, dass in der Eröffnungsveranstaltung ausschließlich Menschen sprachen, die älter als 25 Jahre waren und somit laut UN-Definition nicht mehr als Jugendliche gelten. Grundsätzlich bietet das Jugendforum große Potenziale, junge Menschen und Entscheidungsträger zusammenzubringen und gemeinsame Ziele für Jugendpolitik und –Beteiligung in Hinblick auf globale, nationale und lokale Zusammenarbeit aufzustellen. Dieses Potenzial geht jedoch durch das aktuelle Format und die wenig partizipative Umsetzung bislang verloren.

Während der SEK konzentrierte sich unsere Arbeit auf die Rede, das Side Event und die Kooperation mit der World Federation of United Nations Associations (WFUNA), den Ständigen Vertretungen und anderen UN Jugenddelegierten. Schnell haben wir unseren Fokus vom Besuch vieler Side Events auf bi- und multilaterale Treffen sowie den direkten Austausch mit anderen Organisationen gelenkt. So trafen wir uns beispielsweise mit Vertreter*innen der amerikanischen Botschaft, aber auch mit Praktikant*innen der Initiative „Pay Your Interns“, die sich für eine fairere Behandlung der unbezahlt arbeitenden jungen Menschen einsetzt. Insgesamt waren sich die Redner der SEK, vor allem in denen der Jugenddelegierten und zivilgesellschaftlichen Organisationen darin einig, verstärkt mit betroffenen Menschen an sozialer Entwicklung zusammenarbeiten zu müssen und diese aktiv einzubeziehen. Dadurch würde eine stärkere Verbindung zur Lebensrealität der Menschen, ihrer Probleme und Herausforderungen geschaffen werden.

Unsere Rede stand im Zeichen d12669430_569684529874979_105211137901672515_ner Chancengleichheit und der Menschenrechte. Wir stellten heraus, dass sich viele Möglichkeiten in unserem Leben aus dem puren Zufall ergeben. So ziehen wir alle bei unserer Geburt ein Los, welches über unser Geschlecht, unsere Nationalität, Familie, unseren Status, unsere finanziellen Möglichkeiten sexuelle Orientierung, Religionszugehörigkeit und Ethnie entscheidet. Dieses Los haben mehr als 7 Milliarden Menschen gezogen. Ob man unter den 62 Menschen ist, denen finanziell gesehen die halbe Welt gehört, unter 60 Millionen Menschen auf der Flucht oder als benachteiligte Frau geboren wird, entscheidet das Glücksrad des Lebens. In unserer Rede forderten wir die Umsetzung der globalen Entwicklungsagenda und der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von allen Staaten für jeden Menschen dieser Welt. Darüber hinaus appellierten wir für Chancengleichheit bei Bildungsfragen und fair bezahlte Praktika bei den Vereinten Nationen. Wir plädierten für nachhaltige Lösungen für Flüchtlingsbewegungen. So sollen Kriege beendet und Konflikte diplomatisch gelöst werden. Auch prangerten wir die ungerechte Verteilung von Wohlstand auf der Welt an und wiesen darauf hin, dass Radikalisierung und Extremismus vor allem bei jungen Menschen häufig aus Armut und Perspektivlosigkeit erwachsen.

Wie zur Generalversammlung veranstalteten wir auch zur SEK ein Side Event unter dem Titel „Lost Generations“. Die Veranstaltung behandelte die Situation von Kindern und Jugendlichen in der Flüchtlingskrise. Die 140 Besucher*innen füllten das komplette Auditorium der Ständigen Vertretung Deutschlands. Sie kamen aus dem UN-System, von den verschiedenen Vertretungen und aus der amerikanischen Zivilgesellschaft. Einen ausführlicheren Bericht zum Side Event findet Ihr hier.

Neben der Organisation des eigenen Side Events besuchten wir Veranstaltungen, die von den ständigen Vertretungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Gesandten aus dem UN-Syste12321667_577799145730184_3976992197239162108_nm und anderen Jugenddelegierten ausgerichtet wurden. Die thematische Vielfalt reichte dabei von: „Jungen Menschen und Extremismus“ über „Werkzeugkoffer zur Implementierung der nachhaltigen Entwicklungsziele“ bis hin zu „Jungen Frauen in Wissenschaft und Forschung“. Trotz der Bandbreite an Themen und geladenen Panellisten fiel uns häufig auf, dass Redner, die von außerhalb des UN-Systems kamen, besonders erfrischende und zielführende Impulse miteinbringen konnten. Menschen mit Praxiserfahrung auf lokaler oder nationaler Ebene stellen dabei häufig die Verbindung zwischen abstrakter UN-Arbeit und den tatsächlichen Lebensrealitäten der Menschen her. Wir halten es für sehr wichtig, dass sich die UN weiter öffnet und mehr zu „United Actors“ wird.

Bei der SEK und dem Jugendforum waren deutlich weniger Jugenddelegierte vertreten als zur Generalversammlung. Jugenddelegierte aus Belgien, Bulgarien, Deutschland, Georgien, den Niederlanden, Rumänien, die Schweiz die Ukraine und der USA waren angereist. Zwischen den Jugenddelegierten tauschten wir Best Practices aus. Jungen Jugenddelegiertenprogrammen wie dem Ukrainischen konnten wir viele Hinweise und Ideen zur nationalen Konsultationstour, dem Auswahlverfahren, Öffentlichkeitsarbeit, der Organisation von Side Events und der grundsätzlichen Arbeit in New York auf den Weg geben. Weiterhin gibt es ein Ungleichgewicht zwischen den Rechten, der Quantität und der Qualität der Jugenddelegiertenprogramme des globalen Nordens und des globalen Südens. Durch die Stärkung verschiedener Jugenddelegiertenprogramme hoffen wir diese zu durchbrechen und werden uns in den kommenden Monaten bemühen, zumindest einen afrikanischen Staat für das Programm zu gewinnen.

Wie bereits bei der Generalversammlung, zeigte sich auch bei der SEK, dass immer noch eine Kluft zwischen den Forderungen nach Jugendbeteiligung und den realen Partizipationsmöglichkeiten junger Menschen bei den Vereinten Nationen besteht. G12783619_584229818420450_5284067599218099902_oleichzeitig verdeutlichte die zweite UN-Konferenz, an der wir als Jugenddelegierte teilnehmen konnten, wie wichtig die Erfahrung und die Möglichkeit zur Vernetzung für junge Menschen in internationalen Foren sind. Vor diesem Hintergrund ist eine Stärkung und Vertiefung der Jugendpartizipation bei den Vereinten Nationen unabdingbar.

Den vollständigen Text unserer Rede findet Ihr hier.

 Antworten

Pflichtfeld

Pflichtfeld