Mai 252011
 

Heidi und Andreas besuchten Heidelberger Schüler(innen) bei einer Tourstation in der schönen Stadt am Neckar. In Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Völkerrecht lud das Schülerfriedensbüro Heidelberg Schüler(innen) aus den Gymnasien der Stadt zu einer Tourstation rund um das Themenfeld Migration/Integration. Rund zwanzig Schüler(innen) waren der Einladung gefolgt und konnten sich über drei Referenten mit spannenden Themen freuen: Asylverfahren am Frankfurter Flughafen, das Bild von Muslim(inn)en in den Medien und Grundlegende Gedanken zu Migration.

Obwohl Frankfurt von Heidelberg nicht weit entfernt ist, war vielen erst mal neu, welche Schicksale sich teilweise rund um die Asylverfahren am dortigen Flughafen abspielen. Referent Dr. Felix Hanschmann erklärte, dass durch die „sichere Drittstaatenlösung“ der Flughafen im Prinzip der einzige Weg ist, als Flüchtling nach Deutschland zu kommen. Er stellte sehr anschaulich dar, wie die Flüchtlinge in einem Internierungslager am Flughafen untergebracht werden, wo im Schnellverfahren ihr Asylanliegen geprüft wird.
In einem Workshop vertiefte ein Teil der Teilnehmer(innen) das Thema und stellte am Ende ganz konkrete Forderungen auf. Sie kritisierten, dass die Asylbewerber(innen) abseits der Gesellschaft in Isolation leben. Sie werden dort nicht mit den nötigen Informationen versorgt, zum Beispiel über ihren Anspruch auf Rechtsbeistand. Ihre Lage sei kein Problem der Rechtsgarantien, aber des Informationsflusses. Denn auch für die Bürger(innen) sind die Asylbewerber(innen) unsichtbar und unzugänglich. Bei dem Schnellverfahren, das am Frankfurter Flughafen zum Einsatz kommt, kommt das Problem so kurzer Fristen hinzu, dass im Grunde eine gründliche Prüfung des Asylanliegens nicht möglich ist. Grundsätzlich plädierten die Teilnehmer(innen) dafür die Ländereinschätzungen der Behörden, nach denen die Bedrohungslage von Flüchtlingen im Heimatland bewertet wird, zu überarbeiten. Zudem mahnten sie an, dass es sinnvoller wäre, statt Flüchtlinge abzuschotten und sie zu zwingen untätig in einem Lager auszuharren, ihr Potential zum Beispiel als Arbeitskräfte zu nutzen.

Kurz zusammengefasst, stellten die Schüler(innen) folgende Forderungen auf:

  • Stopp der Isolation von Asylbewerbern
  • restriktive Asylpolitik in Bezug auf den demografischen Wandel
  • Informationsmangel bekämpfen und die Überarbeitung der Ländereinschätzungen fordern
  • Unschuldigkeitsvermutung bei Asylverfahren ausgesetzt
  • Verkürzte Verfahren aussetzen, Betreuung durch NGOs

In dem Workshop über das Bild von Muslim(inn)en in den deutschen Medien zusammen mit Raoul Klooker lernten die Teilnehmer(innen) zunächst bestimmte Muster und Methoden kennen, mit denen in Medien, teilweise unbewusst, klischeehafte Assoziationen und verallgemeinernde, logische Kurzschlüsse erzeugt werden. An der ZDF-Dokumentation „Fremd im eigenen Viertel“ probierten sie ihr Handwerkszeug aus und konnten einige unscharfe, klischeehafte oder vorurteilsgeleitete Stellen aufspüren. So standen am Ende des Workshops auch die Forderung, Medien sollten Begriffe klarer trennen und differenzierter arbeiten. Beispielweise fehlt oft eine klare Definition, wen man als „Ausländer(in)“ auffasst oder ab wann man jemand einen „Migrationshintergrund“ zuschreibt. Den Teilnehmer(innen) stieß auch sauer auf, wen von den „Muslimen“ die Rede ist und Medien damit ausblenden, dass diese vielleicht die gleiche Religion haben, aber ansonsten absolut keine homogene Gruppe sind. Verschiedene muslimische Glaubensgemeinschaften, unterschiedliche Formen seine Religion zu leben und verschiedene Wertvorstellungen werden oft einen Topf geworfen. Um solche handwerklichen Fehler und teils sogar manipulativen Mechanismen bewusst wahrnehmen zu können, forderten die Teilnehmer(innen) zu einem reflektierteren Medienkonsum auf.

Einen neuen Zugang zum Thema Migration erhielten die Teilnehmer(innen), die sich im dritten Workshop unter Anleitung von Andreas Meves und Servet selbst in die Lage eines/einer „Einwanderers/Einwandererin“ versetzten und sich so dem Thema einmal emotional annäherten. Wann fühlt sich jemand angekommen? Wie kann ein aufeinander zugehen von Kommenden und bereits hier Lebenden gestaltet werden? Die Teilnehmer(innen) sprachen auch darüber, in welchen Konflikt Migrant(inn)en teilweise gebracht werden, wenn sie ihre eigenen Werte plötzlich an die Werte einer Gesellschaft anpassen sollten, die von einer anderen kulturellen Tradition geprägt ist. Die Teilnehmer(innen) empfahlen die Herausforderungen von Integration mehr unter dem Blickwinkel von Gastfreundschaft zu betrachten. Wenn man jemanden als Gast aufnimmt und sich als guter Gastgeber präsentieren will, ist es unangebracht, Misstrauen an den Tag zu legen oder Integration als einseitige Anpassungsleistung zu fordern. Die Teilnehmer(innen) stellten fest, dass viel zu oft vergessen wird: Wer sich bewusst in dieses Land aufmacht, will hier eingelingendes Leben führen, heißt der Wille, sich zu integrieren, ist von sich aus da.

 

Nachdem die Schüler(innen) die Ergebnisse ihrer Workshops zusammengetragen und den UN-Jugenddelegierten ihre Forderungen mitgeben haben, konnten sie viele neue Eindrücke und Denkanstöße mit nach Hause nehmen. Wir danken dem Schülerfriedenbüro Heidelberg und dem dem Max Planck Institut für ihre tolle Arbeit!