Apr 182013
 

JVA Vechta15.04.2013 – Ein Leben eingesperrt im Gefängnis. Ein Leben fern von Familie und Freund*innen. Ein Leben ohne Internetzugang. Ein Leben in einer Zweckgemeinschaft mit Fremden. Wie sieht so eine Lebenswelt aus? Für uns Jugenddelegierte ist es ein Leben, das nur schwer vorstellbar ist. Für die acht jungen Frauen, mit denen wir über zwei Stunden lang ins Gespräch kamen, ist es bittere Realität. Die jungen Inhaftierten sitzen ihre Strafe in der Justizvollzugsanstalt (JVA) für Frauen in Vechta, Niedersachsen, ab – der einzigen JVA für junge Straftäterinnen in Norddeutschland.

Die jungen Häftlinge verbringen alle zwischen einem halben und acht Hinter GitternJahren hinter Gittern, holen ihren Hauptschulabschluss nach, besuchen die Realschule, arbeiten im Gefängnis mit Tieren, im Garten, im Handwerk oder helfen in der Hauswirtschaft. Der Kontakt zur Außenwelt ist beschränkt: Besuch dürfen sie zweimal im Monat empfangen, Internetzugang gibt es keinen, nur der Fernseher ist ihre ständige Verbindung zu der Gesellschaft, von der sie zeitweilig ausgeschlossen sind. Die Schicksale der Frauen sind berührend. Bevor sie zu Täterinnen wurden, waren sie häufig Opfer. Eine Frau berichtet von ihrer Zeit als Straßenkind, nachdem sie mit 12 Jahren von zuhause abgehauen ist.

Die ersten Tage im Gefängnis waren für viele schlimm: Sie hatten keinen Appetit und waren wütend auf sich selbst. Die Haft hat viele von ihnen verändert. Sie hat ihnen Zeit gegeben, um über ihre Straftat nachzudenken. Freiheitsentzug ist eine harte Strafe, aber gleichzeitig bietet er die Chance einen Neustart zu beginnen.

VZelleniele richten sich ihre Zellen so gemütlich wie nur möglich ein, um eine warme Atmosphäre zu schaffen und ihren Angehörigen und Freund*innen so nah wie nur möglich zu sein. Eine andere Gefangene berichtet: „Ich mag es mir gar nicht gemütlich einrichten, denn ich möchte mich hier gar nicht wohl fühlen. Sonst komm ich nach meiner Entlassung womöglich auf die Idee, wieder hier her kommen zu wollen“, bemerkt sie spaßig. Am meisten vermissen alle ihre Familie und die Freund*innen zuhause.

Dass sowohl die Haft, als auch die Zeit danach kein Zuckerschlecken ist, verdeutlichen die Frauen an vielen Beispielen aus ihrem Alltag. Sie haben nur beschränkte Auswahl, was sie essen, anziehen oder an Pflegeprodukten kaufen können. Sie wünschen sich eine weibliche Gynäkologin, ihr Freizeitangebot ist beschränkt auf eine Hip Hop Tanzstunde oder eine Theaterstunde. Sportmöglichkeiten gibt es neben der einmal wöchentlich stattfindenden Sportstunde kaum um auch mal Aggressionen abzubauen, die immer wieder aufkommen. Ihre Privatsphäre ist eingeschränkt, der Zickenkrieg unter den Häftlingen droht immer dann auszubrechen, wenn mal wieder was aus der eigenen Zelle verschwunden ist oder intime Dinge weitererzählt werden. Das Vertrauensverhältnis zwischen den Insassinnen ist somit fragil.

Intimsphäre kann in der Haftzeit zum Fremdwort werden, beispielsweise beim Duschen im Gemeinschaftswaschraum oder beim Benutzen der Gefängnistelefone auf dem Gang. Gemeinsam mit den Inhaftierten und den Vollzugsbeamt*innen haben wir mögliche Verbesserungsvorschlage besprochen und hoffen, dass sich zumindest hier und da ein paar Kleinigkeiten ändern lassen.

Von den Alltagsproblemen kamen wir auf die größeren gesellschaftspolitischen Themen zu sprechen: JVA Vechta mit Fr. HuckemeyerEs fehlt an Geld, um ein umfangreiches Bildungsangebot für die jungen Frauen bereitzustellen. Die Frauen sind während ihrer Haft nicht rentenversichert und tragen damit ein erhöhtes Risiko für Altersarmut. Nach ihrer Entlassung werden sie Schwierigkeiten haben eine Wohnung und Arbeit zu finden – der Einstieg in ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben in Freiheit wird kein leichter. Aus dem Gefängnis ist es schwierig Arbeit und Unterkunft für die Zeit nach der Haft zu organisieren und Straftäterinnen sind gleichzeitig nicht die heißbegehrtesten Untermieterinnen oder Bewerberinnen.

Das Leben der jungen Frauen ist geprägt von dem Versuch ihre Vergangenheit aufzuarbeiten, mit sich selbst ins Reine zu kommen, die Gegenwart in Haft so gut wie möglich zu überstehen und eine neue Zukunft zu planen. Die JVA versucht dabei mit ihren begrenzten finanziellen Möglichkeiten die bestmögliche Begleitung zu gewährleisten. Von Psycholog*innen, über engagierte Beamt*innen und Beschäftigungsmöglichkeiten wird versucht, den Frauen durch ihre schwierige Lebenssituation zu helfen.

Aus dem Gespräch mit den Inhaftierten haben sich folgende Forderungen ergeben:

  • Mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Inhaftierte schaffen (z.B. zum Aggressionsabbau oder kreative Angebote)
  • Möglichkeiten bieten während der Haft in die Rentenversicherung einzuzahlen
  • Die Verhältnismäßigkeit von Haftstrafen überdenken (Beispiel: Diebstahl versus Körperverletzung à Haftstrafen stehen oft in „unverhältnismäßiger“ Relation)
  • Mehr Räume für Privatsphäre schaffen (z.B. beim Duschen oder beim Telefonieren)
  • Bessere Entlassungsvorbereitung anbieten (z.B. bei der Wohnungs- oder Jobsuche)
  • Mehr Bildungsmaßnahmen wie z.B. das Erlangen eines Realschulabschlusses
  • Angemessene und ausreichende Gesundheitsversorgung sicherstellen (zum Beispiel eine Gynäkologin und keinen Gynäkologen für junge inhaftierte Frauen)
  • Generell: mehr finanzielle und personelle Ressourcen im Vollzug um ausreichend Angebote und Betreuung gewährleisten zu können

GruppenfotoFür uns war das Gespräch mit den jungen Häftlingen sicherlich die eindrucksvollste Tour-Station unserer bisherigen Deutschlandtour. Wir bedanken uns bei Frau Huckemeyer, der stellvertretenden Anstaltsleiterin, und bei unseren Gesprächspartnerinnen, dass sie uns einen Einblick in eine für uns unbekannte Lebenswelt ermöglicht haben. Wir wünschen ihnen von Herzen alles Gute für ihre Zukunft.

Pressereaktionen findet ihr hier sowie unter diesem Link.

  Eine Antwort zu “Wie lebt es sich im Gefängnis? Ein Gespräch mit jungen Frauen der JVA für Frauen in Vechta”

  1. ich war leider auch da……….das schlimmste was ich je erlebt habe.Die frauen die gross und gut gebaut sind,können einen das leben zur höllle machen..es wurden immer wieder mädels fertig gemacht,geschlagen usw. die beamten schauen weg..als ich es einmal gesagt habe,weil mir das mädchen so leid tat…meinte die beamtin..sowas musst du für dich behalten..sonst bist du auch dran. ich war geschockt..wenn man entlasssen wird muss man einen zettel unterschreiben das alles zur meiner zufriedenheit gelaufen ist.STIMMMT NATÜRLICH NICHT!!!!!! aber man unterschreibt,weil sonst musste bleiben und erklären..warum du nicht unterschreibst.Der einzige gedanke ist RAUS HIER!!!! ich hätte alles unterschrieben. kannn nur sagen sooltest du mal dort hinmüsssen…..WILLKOMMEN IN DER HÖLLE!!!!!!!

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