Okt 122007
 

Wir haben unsere Rede, die wir in New York gehalten haben, auf Deutsch übersetzt. Vielleicht kommt euch der Text komisch vor, denn wir haben versucht alles so ‚original‘ wie möglich zu halten und die Textstruktur zu übernehmen… Viel Spaß!

Hier gibt es die englische Originalversion!
Hier gehts zum Video der Rede!

Herr Vorsitzender, Verehrte Delegierte, Liebe Jugenddelegierte,

2007 haben zwei besondere Ereignisse die Gedanken junger Leute in Deutschland und in der Welt beeinflusst: Im Juni hat der G 8 Gipfel in Heiligendamm stattgefunden und dieses Jahr haben wir die Halbzeit der Millenniums Entwicklungsziele erreicht.

Unter dem Leitgedanken „Wachstum und Verantwortung“ haben die Teilnehmer des G 8 Gipfels Themen wie die Entwicklung in Afrika, HIV/AIDS und Klimaschutz diskutiert. Überall in Deutschland und auf der ganzen Welt haben vor allem wir, die Jugendlichen, in alternativen Gipfeln zusammengefunden um unsere Besorgnis zum Ausdruck zu bringen: Was meinen wir, wenn wir von Gerechtigkeit in der Welt sprechen? Wollen wir unser Versprechen, die Armut in der Welt abzuschaffen, nicht einzulösen? Sind wir wirklich unfähig grundlegende Bildung für jeden zu ermöglichen? Wir als Jugendliche glauben, dass Staaten auf vielseitige Lösungen hinarbeiten müssen, um diese Herausforderung zu bewältigen, und sie müssen dies im System der Vereinten Nationen tun.

Dieses Jahr haben die Millenniumsentwicklungsziele ihre Halbzeit erreicht. Alle Staats- und Regierungschefs haben sich entschieden, diese acht Ziele bis 2015 zu erreichen. Die Halbzeit ist nun vorbei, aber es ist noch nicht einmal die Hälfe der Ergebnisse erreicht! Als Jugendliche sind wir kritisch; trotzdem glauben wir daran, dass es möglich ist die Millenniumsentwicklungsziele zu erfüllen. Wir Jugendliche werden nicht nur am 17. Oktober beim STAND UP DAY mit Millionen Menschen überall auf der Welt für die Millenniumsentwicklungsziele aufstehen. Wir stehen jeden Tag auf, mit unseren eigenen Beiträgen, die wir in unzähligen Jugendorganisationen und –initiativen leisten, um die Welt in der wir leben zu verändern!

Unser Weg nach New York als deutsche Jugenddelegierte war lang. Wir verbrachten sechs Monate und 25 000 Kilometer mit Reisen, um tausende Jugendliche mit unterschiedlicher Bildung und unterschiedlichem sozialem, ethnischem und religiösem Hintergrund zu treffen und mit ihnen die Themen des Weltaktionsprogramms für die Jugend und die Millenniumsentwicklungsziele zu diskutieren. Wir haben ihren Wünsche, Gefühle und Forderungen zugehört.

Herr Vorsitzender, Auf unserer Tour durch Deutschland haben wir Jugendliche getroffen die Ihre Stimmen erhoben haben, weil sie die gegenwärtige Situation nicht verstehen können und nicht akzeptieren wollen. Warum hängt es von meinem sozialen und familiären Hintergrund ab, ob ich in der Schule oder Universität erfolgreich bin, falls ich diese überhaupt besuchen kann? Warum stirbt alle 17 Sekunden ein Kind an mangelndem oder verschmutztem Wasser?

Jugendliche erheben insbesondere ihre Stimme weil sie Chancengleichheit verlangen:
Sie fordern Chancengleichheit in der Bildung. 113 Millionen junge Menschen in der Welt haben überhaupt nicht die Möglichkeit zur Schule zu gehen. In den meisten Ländern hängt der Erfolg der Bildung stark vom familiären und sozialen Hintergrund ab. Insbesondere junge Menschen mit Behinderung, Migranten und Minderheiten werden durch den Mangel an Möglichkeiten in den ersten Jahren ihres Lebens benachteiligt und gesellschaftlich ausgeschlossen! Junge Roma sind beispielsweise nicht nur sie größte, sondern auch die am stärksten diskriminierte Minderheit in Europa. Sie werden weiterhin in vielen Schulsystemen in Deutschland und anderen Ländern isoliert und ausgegrenzt. Jugendliche sind in der Lage, ihr Potential besser zu nutzen, wenn Staaten, Zivilgesellschaft und Wirtschaft anfangen, ab sofort in formelle und nicht-formelle Bildung investieren.

Jugendliche fordern Chancengleichheit um ihre Persönlichkeit und Leistungsfähigkeit in einer Welt ohne Armut und Hunger zu entwickeln. In Europa lebt fast eines von fünf Kindern unter 18 Jahren in relativer Armut. Auf der ganzen Welt leben 250 Millionen junge Menschen von weniger als einem Dollar am Tag. Diese Jugendlichen haben weniger Chancen eine gute Ausbildung erhalten und ordentliche Arbeit zu finden. Sie laufen große Gefahr im Kreislauf der Armut zu enden.

Jugendliche fordern Chancengleichheit, um aus der Globalisierung einen Nutzen zu ziehen. Freizügigkeit in Bezug auf Bildung und Arbeit ist unverzichtbar für das Erlangen von essentiellen Fähigkeiten geworden. Internationaler Jugendaustausch ist ein wesentliches Mittel im Kampf gegen Rassismus und für den Frieden geworden. Wegen Visarestriktionen können jedoch nur wenige Jugendliche davon profitieren. Mobilität in Form von Migration ist für sie Folge von Hoffnungslosigkeit. Für diejenigen, die beim überqueren unserer gut geschützten Grenzen nicht sterben, stellen wir sicher, dass sie Illegalität und Ausgrenzung ausgesetzt sind.

Jugendliche Fordern Chancengleichheit und Empowerment, weil sie Verantwortung übernehmen wollen. Jugendliche sind bereit ihr Umfeld zu gestalten und setzen sich für Chancengleichheit ein. Um ihre Träume zu erfüllen, brauchen sie jedoch Empowerment, damit sie ihre eigenen Fähigkeiten und Leistungen entwickeln können. Das Potential, die Kreativität und die Kraft Jugendlicher als Beitrag zu unsere Gesellschaft und Wirtschaft ist die größte Ressource, die wir in dieser Welt haben.

Jugendorganisationen und junge Menschen sind der Politik oft einen Schritt voraus. Vor genau 100 Jahren, als sich kein Politiker um Jugendpolitik kümmerte, starteten junge Pfadfinderinnen und Pfadfinder die erste und größte Jugendbewegung weltweit um junge Menschen zu unterstützen und zur Gesellschaft beizutragen. Die Politik muss nun ein Umfeld schaffen welches die Entwicklung von formeller and nicht-formeller Bildung fördert. Sie muss auch Jugendliche und Jugendorganisationen mit einbeziehen um dieses Umfeld zu schaffen. Jugendpartizipation in der Politik sollte nicht nur ein inflationär genutzter Begriff sein, sondern Realität. Die Beteiligung Jugenddelegierter an der UN Generalversammlung soll als Vorbild für Jugendbeteiligung auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene weltweit sein.

Herr Vorsitzender, als deutsche Jugenddelegierte fühlen wir uns geehrt, dass wir die Möglichkeit haben, uns heute an die internationale Gemeinschaft zu wenden. Wir wollen die Anliegen, Wünsche und Hoffnungen Jugendlicher in diesem angesehenen Kreis zum Ausdruck bringen.

Zum Abschluss unserer Rede wollen wir nun unsere Anliegen präzisieren.

Wir, die jungen Menschen, fordern ein entschlossenes und aufrichtiges Bekenntnis zu dem Ziel die Millenniumsentwicklungsziele bis 2015 zu erreichen. Da die Halbzeit erreicht ist, bitten wir alle Mitgliedstaaten ihre Bemühungen und Beitrage zu erhöhen um ihre Versprechen zu halten. Wir drängen sie auch dringend, die UN-Konvention bezüglich der Rechte von Kindern vollständig zu ratifizieren und umzusetzen.

Wir, die jungen Menschen, fordern alle Mitgliedstaaten dringend auf Chancengleichheit für alle Jungendlichen in Bezug auf Bildung, Ordentliche Arbeit und Globalisierung zu schaffen und Hunger und Armut zu beseitigen. Wir erinnern sie daran, dass jeder Dollar der in Bildung investiert wird, ein viel nachhaltigerer Beitrag zu nationalem und internationalem Frieden und Sicherheit ist, als jeder Dollar, der in Militär investiert wird.

Wir, die jungen Menschen, fordern ein starkes Bekenntnis zu Empowerment von Jugendlichen und der Schaffung notwendiger Einrichtungen, die es Jugendlichen und Jugendorganisationen ermöglichen effektiv zu partizipieren. Dies beinhaltet auch ein starkes Bekenntnis zum UN Habitat Jugendstiftung, die sich auf jugendbezogene Projekte konzentriert. Wir ermutigen die Regierrungen auch nicht-formelle Bildung in Jugendorganisationen zu unterstützen.

Wir, die jungen Menschen, fordern Sie, verehrten Delegierten, dazu auf, das Zusatzprotokoll für das Weltaktionsprogramm für die Jugend zu übernehmen, da es sich auf neue Herausforderungen bezieht, denen junge Menschen heute ausgesetzt sind. Wir bitten sie auch dringend darum die Ziele und Vorgaben zu übernehmen, die gegenwärtig im 3. Komitee vorgeschlagen werden. Es ist sehr wichtig die Fortschritte bei der Umsetzung des Weltaktionsprogramms für die Jugend messbar zu machen.

Wir, die jungen Menschen, stellen klar, dass wir bereit sind Verantwortung in unserer Gesellschaft zu übernehmen und die weltweiten Probleme anzupacken. Wir wollen jetzt Empowerment, nicht nur weil Kinder und Jugendliche die Zukunft sind: wir sind die Gegenwart.

Danke Herr Vorsitzender