Jul 242013
 

DSCN5260Ihr zweites Wohnzimmer – so nennen viele der Jugendlichen das Jugendzentrum ‚anyway‘ in Köln. Es ist ein besonderes Jugendzentrum: Das anyway richtet sich speziell an lesbische, schwule und bisexuelle Jugendliche und ist das erste und größte Jugendzentrum dieser Art in Europa. Jedes Jahr nutzen rund 1400 jungen Menschen zwischen 14 und 25 Jahren die Angebote des Hauses. Getragen wird die Arbeit des Jugendzentrums von vielen engagierten Ehrenamtlichen – wir hatten das Glück einige von ihnen zu treffen, uns gegenseitig kennenzulernen und ihre Forderungen zu diskutieren.

Die Ehrenamtler*innen verdeutlichten die  beeindruckende Vielfältigkeit des Angebots von anyway: von einer inklusiven Fußballmannschaft Hot Shots, über eine Musikgruppe, Beratungsarbeit, Schwul-lesbischer Aufklärungsarbeit an Schulen, einer selbstorganisierten Bar, einer engagierte Mädchengruppe bis hin zur Internetserie ‚Julian‘, sind die Facetten der Arbeit des Jugendzentrums so vielfältig wie ihre Besucher*innen. Im Vordergrund der Arbeit steht dabei einerseits eine Plattform für junge Menschen zu schaffen, um mit Gleichgesinnten Spaß zu haben und ihre Freizeit mit einander zu verbringen, andererseits ist aber auch der Ernst der Arbeit immer präsent: z.B. durch die Unterstützung bei der persönlichen Herausforderung des Coming Outs oder bei den Schwierigkeiten durch die heteronormativen Denkstrukturen im alltäglichen Leben. Besonders wichtig ist bei anyway dabei niederschwellige, offene Jugendarbeit zu leisten. Das Haus steht jedem und jeder offen, die großen Fensterscheiben laden zum Hineingucken und Hineinkommen ein.

Gruppenfoto anyway

Die Ehrenamtler*innen, mit denen wir sprechen konnten, haben alle schon vor einiger Zeit den Schritt hinein zu anyway getan und sind wichtige Träger der Jugendarbeit. Spannend war für uns daher auch die Diskussion mit diesen Expert*innen in Sachen homosexuelle Jugendarbeit zu führen. Die Forderungen, die sich dabei ergeben haben, sind folgende:

  1. Die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen soll in allen Ländern festgeschrieben werden.
  2. In Schulen muss mehr LGBTQ Aufklärung stattfinden. Dazu sollen Schulbücher homo-freundlicher gestaltet werden und das Schwulsein nicht auf HIV/Aids beschränkt werden. Ziel ist ein ganzheitlicher LGBTQ Ansatz im Bildungssystem und eine Überwindung von Vorurteilen und klassischen Rollenbildern.
  3. Die Todesstrafe aufgrund von Homosexualität muss weltweit abgeschafft werden.
  4. Es muss flächendeckend Beratungs- und Treffmöglichkeiten für Homosexuelle geben. Auch Jugendämter müssen verpflichtet werden entsprechende Aktivitäten anzubieten. Für muslimische Jugendliche, die häufig besondere Probleme beim Coming Out haben, sollen Berater*innen möglichst selber einen solchen Hintergrund aufweisen.

Wir nehmen diese Forderungen sehr ernst, besonders vor dem Hintergrund, dass die Mühlen der UN in Sachen LGBTQ (lesbian, gay, bisexual, transsexual, queer) Rechte noch sehr langsam mahlen. Erst 2008 wurde das Thema zum ersten Mal in der Generalversammlung diskutiert (ohne Mehrheit für eine gemeinsame Resolution) und erst 2011 gab es zum ersten Mal eine Resolution im Menschenrechtsrat. Es ist ein kulturell sehr sensibles Thema, aber wir sind überzeugt, dass niemand aufgrund seiner sexuellen Orientierung benachteiligt werden darf.

Bei anyway bedanken wir uns ganz herzlich für die Einladung und wünschen weiterhin viel Erfolg für die wichtige Arbeit.

 

 

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